Mit Holzbau aus der Klimakrise?

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Verfügbar vom 19/03/2021 bis 17/06/2021
Dürre und Borkenkäfer machen dem Wald schwer zu schaffen. Das anfallende Schadholz hat den Holzpreis abstürzen lassen. Die hiesigen Waldbesitzer machen Minusgeschäfte, obwohl das Käferholz als Bauholz tausende Kilometer nach China und Amerika exportiert wird. Was könnte die Lösung für die Holzmisere sein? Und könnte mehr Holzbau bei uns auch ein Ausweg aus der Klimakrise sein? 

Dieser Beitrag des BR ist Teil von The European Collection, einer gemeinsamen Initiative öffentlich-rechtlicher Medien in Europa (ARD, ARTE, France Télévisions, SRG SSR und ZDF), koordiniert von ARTE.

Staatsförsterin Lisa Pausch weiß: Im Kampf gegen die Erderwärmung hat der Wald als CO2-Speicher eine immense Bedeutung. Doch sie erlebt jeden Tag, wie der Wald stirbt - an den Folgen des Klimawandels. Zur Sorge um jahrhundertealte Baumbestände kommen die wirtschaftlichen Ausfälle. Dabei könnte das Holz viel mehr als klimafreundlicher Baustoff genutzt werden, findet nicht nur die ehemalige Schreinerin.

Während Waldbesitzer und Forstbetriebe viel Geld verlieren, erleben andere einen ungeahnten Aufschwung: Sägewerke laufen fast rund um die Uhr, Reedereien, Transport- und Logistikunternehmen haben viel zu tun. Denn das Käferholz findet reißenden Absatz in China und den USA, wo sich die Holzpreise im letzten Jahr verdoppelt haben. Viele sind froh über dieses Ventil in Zeiten der Holzschwemme.

Doch der CO2 Bonus des Waldes wird auf langen Transportwegen immer geringer. Für den Export muss das Holz oft zur Käferbekämpfung zusätzlich mit extrem klimaschädlichen Stoffen behandelt werden. Das alles ist aus ökologischer Sicht absurd. Denn das Holz vor unserer Haustür könnte der Schlüssel zum Grünen Bauen sein. Baustoffe wie Stahl, Zement und Ziegel verursachen bei der Herstellung Treibhausgase: Allein 8 Prozent der globalen CO2 Emissionen entstehen bei der Herstellung von Zement. Holz nimmt das Gas dagegen beim Wachstum auf. Holzhäuser könnten so also zu langfristigen CO2-Speichern werden.

Ob eine solche Bauwende gelingen kann? Die Stadt München hat sich auf den Weg gemacht: Im neuen Quartier Prinz-Eugen-Park ist die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands entstanden. Bei der Ausschreibung gab es strenge Vorgaben zur Verwendung von regionalem Holz. Weitere Projekte sollen folgen. Wird München die Holzbaustadt der Zukunft? Und was muss noch getan werden, damit der Hoffnungsträger Holz langfristig zum Baustein im Kampf gegen die Klimakrise wird?


  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 2020

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