Eine Frage der Haltung: Wie teuer darf Wohnen sein?

30 Min.
Verfügbar vom 22/12/2020 bis 21/06/2021
Auf der Suche nach einem Zuhause: Der Wohnungsmarkt in Berlin ist angespannt. Hier die einen, die sich schöne Altbauwohnungen noch im Eigentum leisten können, dort jene, die sich für die Besichtigung einer Mietwohnung in langen Schlangen anstellen. Helena Daehler begibt sich zwischen die Fronten von Mietaktivisten und Immobilienmaklern und recherchiert alternative Wohnformen.

Dieser Beitrag des rbb ist Teil von The European Collection, einer gemeinsamen Initiative öffentlich-rechtlicher Medien in Europa (ARD, ARTE, France Télévisions, SRG SSR und ZDF), koordiniert von ARTE und unterstützt durch das Programm Creative Europe - MEDIA.

Mietest du noch oder besitzt du schon? Der Immobilienmarkt in Deutschland explodiert seit Jahren und treibt die Preise für Eigentumswohnungen und Mieten in die Höhe. Berlin steht dabei Städten wie München und Hamburg kaum noch nach. Allein der beliebte Bezirk Friedrichshain‑Kreuzberg hat in den vergangenen Jahren Mietsteigerungen bei Neuvermietung um 70% erlebt. Und wer eine Wohnung sucht, konkurriert auf Besichtigungen mit Dutzenden Mitbewerbern. Der Mietendeckel solls jetzt richten, doch für Vermieter und Immobilienentwickler ist er ein rotes Tuch. Dabei verhärten sich die Fronten immer mehr: Investoren, Makler und Immobilienunternehmer auf der einen, Mieter und Wohnraumsuchende auf der anderen Seite.
 
All das beschäftigt auch rbb‑Reporterin Helena Daehler. Sie lebt seit zehn Jahren in Berlin und hat schon in sechs Bezirken gewohnt - jetzt sitzt sie auf gepackten Koffern in einer 1,5 Zimmer‑Wohnung zur Untermiete. Helena will für sich herausfinden: Wie teuer darf Wohnen sein?
 
Sie geht zu einer Massenbesichtigung und fragt sich danach, ob Sandrine Woinzeck nicht Recht hat. Als ihr Haus von einem Investor gekauft wurde, gründete die Aktivistin vor vier Jahren einen Verein. Den Investor gibt es nicht mehr, das Haus und ihre Nachbarschaft schon. Heute berät Sandrine Woinzeck andere Mieter, deren Haus von Spekulation betroffen ist.
 
Bislang reguliert der Kapitalmarkt die Wohnungssituation. Und der sorgt dafür, dass Helena regelmäßig nur möblierte Eigentumswohnungen angeboten werden, wie jene, die Nizana Brautmann vermittelt. Die erfahrene Maklerin berät Kleinanleger aus dem Ausland, die in Berlin investieren wollen - für viele eine gute Rentenanlage. Nizana Brautmann fühlt sich in ihrem Job zunehmend stigmatisiert und wie eine Kriminelle behandelt. Den Mietendeckel sieht sie kritisch: Er sorge dafür, dass immer mehr Wohnungen leer stünden - aus Angst der Vermieter vor Klagen.
 
Aber natürlich gibt es auch die Luxuswohnungen, wie jene, die Helena mit Makler Achim Amann besichtigt. Solche Objekte können sich nur Superreiche leisten. Doch rechtfertigt das den Ruf nach Enteignungen oder gibt es Alternativen? Helena trifft die Initiatoren der sogenannten "Stadtbodenstiftung", die Grundstücke und Gebäude aus der Spekulationsspirale befreien wollen und für eine gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung und alternative Finanzierungsformen werben. Kann sowas funktionieren und würde Helena selber Stiftungsmitglied werden?

  • Produktion :
    • rbb
  • Autor :
    • Helene Daehler
    • Frédérique Veith
  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 2020

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