"Ich habe das Gefühl, dass ich im Dauereinsatz bin"Kreatur #12 - Das Gespräch

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7 Min.
Verfügbar vom 10/02/2021 bis 12/02/2024
Haben sich die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern von Lockdown zu Lockdown verschärft? Sind gleichberechtigte Familienmodelle zurzeit noch denkbar? Oder ist die Corona-Pandemie am Ende eine Chance für mehr zur Gleichberechtigung?
Darüber sprechen wir mit Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin, sowie mit Elsa Semmling. Elsa Semmling lebt in Berlin, ist berufstätig und Mutter von zwei Kindern. Sie und ihr Partner versuchen gleichberechtigt eine Balance zu finden zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung und stoßen dabei oft an ihre Grenzen. Besonders die Schul- und Kitaschließungen in Deutschland sind dafür ausschlaggebend. 

Ob Schule oder Kindertagesstätte - Betreuungsangebote für Kinder sind wichtige Errungenschaften auf dem Weg zur Gleichberechtigung, die von heute auf morgen einfach weggefallen sind, meint Jutta Allmendinger. In ihrem neuen Buch "Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen" stellt sie die These auf, dass die bis heute in Deutschland erreichte Gleichstellung von Männern und Frauen durch die Corona-Pandemie um dreißig Jahre zurückgeworfen wird. 

Während die Arbeitslosigkeit in Frankreich im Zeitraum von November 2019 bis November 2020 laut Eurostat bei Männern mit 7,2% etwas stärker zugenommen hat als bei Frauen mit 6,2%, sieht es in Deutschland anders aus: die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Frauen liegt hier im gleichen Zeitraum mit 66% deutlich über der von Männern mit 22,2%. Grund seien zum einen strukturelle Faktoren wie der Mangel an Betreuungseinrichtungen, aber auch kulturelle: Viele Studien zeigten, dass das Bild der "Rabenmutter" in Deutschland noch sehr präsent ist, so Jutta Allmendinger.

  • Journalist :
    • Johanna Siegel
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2021