Chile: "Den Kampf gegen das Patriarchat bis ans Ende führen"

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Verfügbar vom 20/05/2020 bis 22/05/2023

Eine treibende Kraft der sozialen Bewegung in Chile bildet der Feminismus. Die Street-Performance "Ein Vergewaltiger auf deinem Weg" wurde zu einem viralen Hit. Der Lockdown werde nicht zu einem Ende der Revolte führen, sagen ein Analyst und eine Akteurin der Szene. Denn während der Ausgangssperre ist das Ausmaß der sozialen Probleme nur noch deutlicher zu Tage getreten.

Auslöser der Protestbewegung war die Erhöhung der U-Bahn-Ticket-Preise. Schüler und Studenten brachten eine Welle ins Rollen, die bald von weiten Teilen der Gesellschaft getragen wurde. Ursache der Wut ist ein neoliberale Verfassung aus der Zeit der Pinochet-Diktatur, die für enorme soziale Ungleichheit sorgt. Die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem, das Rentensystem, die Autobahnen, die Elektrizität und sogar die Trinkwasserquellen wurden während der Diktatur privatisiert.

Als Reaktion auf die Proteste hatte die Regierung Piñeras den Notstand ausgerufen und das Militär auf die Straßen geschickt. Die Folge: Exzessive Gewalt, der Einsatz von Stahl-Gummi-Geschossen, 4.000 Verletzte, 34 Tote, polizeiliche Gewalt gegen Frauen und Homosexuelle. Dies berichtet Amnesty International und das chilenische Netzwerk gegen Frauengewalt.

Eine treibende Kraft des sozialen Protests bildet die Frauenrechtebewegung, welche ihren Anliegen mit einem Street-Performance Ausdruck verleiht: "Un violador en tu camino" (Ein Vergewaltiger auf deinem Weg). Der Tanz wurde zu einem Markenzeichen. Die größte Aufführung fand im Dezember in Santiago statt mit mehr als 10.000 in schwarz gekleideten Frauen.

Ein Motiv der Frauen ist die Straffreiheit für Sexualstraftäter in Lateinamerika. Im Jahr 2018 zählte die UNO 3.500 Frauenmorde in ganz Lateinamerika, nur in 25,7 Prozent der Fälle folgte eine Gerichtsprozess. Doch die Frauenbewegung geht weiter: Hinter den Sexualstraftaten steht ein System: Der Polizist, der Richter, der Präsident, der Staat. Und dieses System werde begünstigt durch die neoliberale Wirtschaftsordnung.

Die Welle der Proteste hat dazu geführt, dass sich die Regierung und die Opposition auf einen neuen Verfassungsentwurf geeinigt hatten. Darin soll die Verstaatlichung des Bildungs- und Gesundheitssystems garantiert werden. Das Referendum über eine neue Verfassung sollte ursprünglich am 22. April stattfinden. Wegen des Lockdowns wurde es auf den 25. Oktober verschoben.


  • Journalist :
    • Jonas Dunkel et Marion Roussey
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2020