Toni Morrison - Amerikas Gewissen

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53 Min.
Verfügbar vom 28/10/2020 bis 01/02/2021

Ein großes Epos über die Sklaverei: Toni Morrison schildert in ihrem 1984 erschienenen Roman "Menschenkind" das Grauen der Sklaverei aus der Sicht einer Frau: Sie bringt ihre Tochter um, um ihr ein leidvolles Sklavenleben zu ersparen. Die Doku zeichnet das Porträt der vor einem Jahr verstorbenen Literaturnobelpreisträgerin.

Es vergeht keine Woche ohne Schlagzeilen über die USA, in denen sich die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft widerspiegelt. Während Donald Trump Wahlkampf für eine zweite Amtszeit macht und das Land von rassistischer Gewalt erschüttert wird, sind die Bücher von Toni Morrison aktueller denn je. 1993 erhielt die im letzten Jahr verstorbene Schriftstellerin als erste Afroamerikanerin den Literaturnobelpreis. Sie habe „den Afroamerikanern Stück für Stück ihre Geschichte zurückgegeben“, so die schwedische Akademie. 50 Jahre lang prangerte sie die nachhaltige Wirkung der „Color Line“ an, der scharfen Trennlinie zwischen Schwarz und Weiß. Morrisons Roman "Menschenkind", ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, schlug bei seinem Erscheinen 1987 ein wie eine Bombe: Zum ersten Mal wagte es eine schwarze Autorin, über die Sklaverei als Fundament der US-amerikanischen Gesellschaft zu erzählen. Das Buch, das auf der wahren Geschichte von Margaret Garner beruht, brach mit den Tabus eines ganzen Landes. Es schildert das Seelenleben der entflohenen Sklavin Sethe, die ihrer kleinen Tochter die Kehle durchschneidet, um sie vor einem Leben in Sklaverei zu bewahren, und später von deren Geist heimgesucht wird. Toni Morrison beschreibt darin die körperlichen und psychischen Wunden ihrer Protagonistin: verdrängte Traumata, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit "Menschenkind" rüttelte Toni Morrison ihre Landsleute auf und zwang sie, sich der Gewalt gegen ethnische Minderheiten zu stellen. Eine prägende Erfahrung nicht nur für die Autorin, sondern für eine ganze Generation. Toni Morrison: "Es ging weniger darum, mir eine neue Identität zu erschaffen, als vielmehr, wieder ich selbst zu werden – indem ich zu den Ursprüngen zurückkehrte und das Grauen dieser vergangenen Jahrhunderte benannte." Nachdem "Menschenkind" den Weg geebnet hatte, konnten sich weitere afroamerikanische Stimmen Gehör verschafften. Die Dokumentation nimmt Toni Morrisons berühmtesten Roman als roten Faden und geht in Gesprächen mit Schriftstellern, Aktivisten und Historikern der Frage nach, wie ihr Werk in den USA von heute nachhallt.

  • Regie :
    • Claire Laborey
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2020
  • Herkunft :
    • ARTE F

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