Re: Geschichte einer VersöhnungHilfe aus Sachsen für Holocaust-Überlebende

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Verfügbar vom 24/01/2020 bis 22/04/2020
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In Israel leben viele Holocaust-Überlebende unter der Armutsgrenze. Hilfe kommt ausgerechnet aus dem Land der Täter. Handwerker aus Sachsen besuchen jedes Jahr Israel, um besondere Versöhnungsarbeit zu leisten. Unentgeltlich beheben sie Wasserschäden, streichen Wände oder renovieren die Wohnungen der Holocaust-Überlebenden. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Begegnung.

Als die deutschen Handwerker vor seiner Tür stehen, ist Josef Aron erstaunt. Der 85-Jährige ist Holocaust-Überlebender - einer von knapp 200.000, die noch in Israel leben. Über 40.000 leben wie er unterhalb der Armutsgrenze. Große Renovierungsarbeiten kann Josef Aron sich nicht leisten. Doch jetzt sind die Maler, Fliesenleger und Klempner aus Sachsen da, um den Wasserschaden in seiner Wohnung unentgeltlich zu reparieren.
Die Handwerker haben zwei Wochen Urlaub genommen, Flug und Unterkunft selbst bezahlt, um jetzt anzupacken. Sie alle eint der Wunsch nach Wiedergutmachung. Die Idee für dieses Projekt hatte Michael Sawitzki, der in Chemnitz eine Firma für Naturstein führt. Als er vor 15 Jahren zum ersten Mal Israel bereist, ist er fasziniert von dem Land. Doch dass viele der Holocaust-Überlebenden in Armut leben, lässt ihn nicht in Ruhe. Er will helfen und zwar mit dem, was er am besten kann: seinem Handwerk.
In Israel erlebt Michael Sawitzki nun, wie Überlebende nach Jahrzehnten ihr Schweigen brechen. Josef Aron bietet den Handwerkern zunächst Kaffee an. Dann beginnt er zu erzählen, wie er als Siebenjähriger in das Konzentrationslager Bergen-Belsen kam, wie die Wachen ihn bis zum Kriegsende jeden Tag geschlagen und vergewaltigt haben. Auch wenn es ihm schwerfällt, von seinem Martyrium erzählen: Josef Aron will, dass seine Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.
Die Handwerker treibt nicht nur ihr christlicher Glaube an. Oft kommt die eigene Familiengeschichte dazu und die aktuelle Stimmung in Deutschland. Uwe Schramm ist Dachdeckermeister. Mit Sorge beobachtet er den wachsenden Antisemitismus: „Als Deutscher habe ich eine Verantwortung. Wir können das, was passiert ist, nicht wiedergutmachen. Aber wir können zeigen, dass wir uns verändert haben.“


  • Land :
    • Israel
  • Jahr :
    • 2020
  • Herkunft :
    • WDR