Sterbehilfe: Europa ist sich uneins

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Verfügbar vom 18/01/2019 bis 20/01/2035
Die meisten EU-Staaten erkennen Sterbehilfe nicht als rechtmäßig an oder verbieten sie ausdrücklich. Viele von ihnen tolerieren jedoch mehr oder weniger offen die Einstellung medizinischer Behandlung. Eine rechtliche Harmonisierung ist umstritten. Drei Gruppen lassen sich unterscheiden.

In Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht am 26. Februar 2020 entschieden, dass das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe verfassungswidrig sei. Die Verfassungsrichter begründeten dies damit, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasse.

Die Vorgeschichte: 2015 hatte der Bundestag nach langer Kontroversen für ein Verbot gestimmt. Dagegen hatten schwer kranke Menschen, Ärzte und Sterbehilfevereine Verfassungsbeschwerden eingelegt. Durch den angegriffenen Strafrechtsrechtsparagrafen drohten eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Die Beihilfe zum Suizid blieb damit zwar grundsätzlich erlaubt - Strafe drohte aber, wenn sie "geschäftsmäßig" betrieben wurde. Dies setzte kein kommerzielles Interesse voraus, vielmehr konnte dieser Begriff auch wiederholte Hilfen umfassen. Nach Ansicht des Verfassungsgerichts ging der Gesetzgeber mit dieser Regelung zu weit.

In Portugal stellt das Parlament am 21. Februar 2020 die Weichen für eine Legalisierung der Sterbehilfe - trotz Protesten aus dem religiösen Lager. Fünf Gesetzesentwürfe wurden in erster Lesung von einer Mehrheit der sozialistischen und konservativen Abgeordneten angenommen.


  • Journalist :
    • Mathieu Boch
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2019