1989, Platz des Himmlischen Friedens (2/2)Partei versus Volk

56 Min.
Verfügbar vom 01/06/2019 bis 02/08/2019
Untertitel für Gehörlose
Was hat sich im Zentrum der chinesischen Machtelite im April 1989 wirklich abgespielt? Tausende Geheimdokumente der Tian'anmen-Akten, die Anfang des Jahrtausends an den Westen übergeben wurden, machen deutlich, dass China im Frühsommer 1989 kurz davor stand, einen ganz anderen Weg einzuschlagen ...

Nach seiner Rückkehr aus Nordkorea versuchte Zhao Ziyang die angespannte Lage im Land zu entschärfen. Er plädierte für einen offenen Dialog. Li Peng stellte sich jedoch entschieden dagegen. Er bekam grünes Licht von "Übervater" Deng Xiaoping, einen Hardliner-Kurs ohne jegliche Zugeständnisse durchzuziehen. Das Ergebnis: eine Pattsituation und eine paralysierte chinesische Führungselite.
Die Zivilgesellschaft war in Aufruhr. In allen großen Städten kam es zu Protesten. Die Medien entziehen sich der Zensur. Studenten beschlossen, am 13. Mai auf dem Tian'anmen-Platz einen Hungerstreik auszurufen. Es gab Tausende Unterstützer. Die kommunistische Partei war ratlos angesichts dieser Situation.
Hinzu kam der Staatsbesuch des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow zur Aussöhnung der beiden kommunistischen Großmächte am 15. Mai. Die offiziellen Feierlichkeiten sollten auf dem Tian'anmen-Platz stattfinden. Doch Zhao Ziyang gelang es nicht, die Studenten davon zu überzeugen, den Platz zu räumen. Li Peng sabotierte erste Gesprächsversuche. Am 17. Mai wurde Zhao Ziyang im Politbüro überstimmt. Am nächsten Tag wurde er unter Hausarrest gestellt. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und 200.000 Soldaten der 38. Armee wurden nach Peking verlegt.
Die Bewohner Pekings gingen erneut auf die Straße und versperrten den Militärkonvois den Weg. Doch die Soldaten weigerten sich, auf sie zu schießen; Generäle wurden unter Arrest gestellt.
Schließlich nahm sich Deng Xiaoping selbst der Sache an. Während sich der Tian'anmen-Platz bis in den Juni hinein in eine Art "chinesisches Woodstock" verwandelte, mobilisierte der über 80-jährige Deng Truppen aus entfernten Provinzen, die kein Mandarin sprachen. Am Abend des 2. Juni betrat die 27. Armee die Vorstädte von Peking. Am Abend des 3. Juni erhielt sie den Schießbefehl. In einem Zeitraum von nur wenigen Stunden kam es zu einem blutigen Massaker mit Tausenden von Toten. Darauf folgte eine Hetzjagd im ganzen Land. Ein riesiger Repressionsapparat wurde in Gang gesetzt, Gefängnisstrafen, Hinrichtungen. Heute, 30 Jahre danach, wird China noch immer autoritär regiert. Das Massaker auf dem Tian'anmen-Platz hat China ruhig gestellt. So dass die kommunistische Regierung das neue, wirtschaftlich erfolgreiche China entwickeln und aufbauen konnte.


  • Regie :
    • Ian MacMillan
    • Audrey Maurion
  • Land :
    • Frankreich
    • USA
  • Jahr :
    • 2019
  • Herkunft :
    • ARTE F