Re: Holzkohle AdéPolens Köhler vor dem Aus

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Zbyszek und Marian sind Köhler. Sie leben in den polnischen Karpaten, unweit der ukrainischen Grenze. Tag und Nacht wachen sie über die Schornsteine ihrer Köhleröfen. Früher lieferten sie Kohle an Stahlwerke und Glashütten, heute machen sie Grillkohle für Kunden in Deutschland. Doch die Konkurrenz ist hart. Große Kohlefabriken verderben die Preise. So stirbt der Beruf aus ...

Es ist Mitternacht, draußen im Wald ist es kalt und stockdunkel. Heute ist Marian (62) dran – er muss raus aus dem Bett, um nach den Öfen zu schauen. Brennt der Ofen noch? Wie ist die Farbe des Rauches? Nur ein kleiner Fehler – und die Arbeit eines ganzen Tages war umsonst.
Drinnen schnarcht Zbyszek (60), sein Kollege, weiter. Die beiden Männer sind Köhler und leben schon seit vielen Jahren gemeinsam im Wald, in den polnischen Karpaten, unweit der ukrainischen Grenze. Ihr Zuhause ist eine einfache Baracke ohne Strom und fließend Wasser. Sie stellen Holzkohle her – nach jahrhundertealter Tradition. Tag und Nacht wachen sie über die Schornsteine. Färbt sich der Rauch blau, verbrennt das Holz zu Asche. Das heißt: keine Kohle - und kein Geld.
Früher lieferten sie Kohle an Stahlwerke und Glashütten, heute machen sie Grillkohle für Abnehmer in Deutschland. Doch die Konkurrenz ist hart. Große Kohlefabriken verderben die Preise. Vor 15 Jahren gab es hier noch mehr als hundert Orte, an denen Köhler arbeiteten. Heute stirbt der Beruf in Polen aus. „Ob wir im nächsten Jahr noch arbeiten dürfen, weiß ich nicht“, sagt Marian.
Andere Köhler haben ihre Arbeit schon verloren: Robert (41) und sein Vater Andrzej (62) bleiben dennoch im Wald. Sie hoffen, irgendwann wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können. Bis dahin fahren sie regelmäßig mit dem Rad ins sechs Kilometer entfernte Dorf Cisna. Hier bekommen sie als Tagelöhner auf Baustellen 2,50 Euro die Stunde. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Aber ein anderes Leben ist für sie undenkbar – der Wald ist ihr Zuhause.


  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 2019
  • Herkunft :
    • MDR