Vox Pop

Feuer - oder Erdbestattung? / Analphabetismus - ein Tabuthema?

29 Min.
Verfügbar vom 17/03/2019 bis 17/05/2019

Das Magazin berichtet jede Woche über das europäische Zeitgeschehen. Auch in dieser Woche stößt "Vox Pop" wieder zwei Diskussionen an. Bei der Recherche in Griechenland geht es um das Thema Einäscherung, und der Gast der Woche, Prinzessin Petra Laurentien der Niederlande (UNESCO-Botschafterin für die Alphabetisierung), spricht über funktionalen Analphabetismus.

(1): Ist Einäscherung immer noch ein Tabu?
Immer weniger Europäer lassen sich aus religiösen Gründen oder um der Tradition willen beerdigen. Inzwischen wählt jeder zweite EU-Bürger die Einäscherung. Seit die katholische Kirche 1963 das entsprechende Verbot aufgehoben hat, werden Feuerbestattungen immer häufiger praktiziert. Am häufigsten wird in Dänemark, Slowenien und Tschechien sowie im Vereinigten Königreich eingeäschert, hauptsächlich aus Kostengründen. Doch in vielen anderen Ländern ist die Einäscherung immer noch ein Tabu.
Kontroverse der Woche: Die Befürworter sehen in der Einäscherung die Bestattungspraxis der Zukunft. Sie ist nicht nur sparsamer, denn die Kosten betragen je nach Land ein Zehntel bis maximal die Hälfte dessen, was man für eine Erdbestattung ausgeben muss, sondern auch umweltfreundlicher, weil platzsparend. Das entlastet überfüllte Friedhöfe. Darüber hinaus werden den nachfolgenden Generationen weder Grabpflege noch Grabnutzungsgebühren aufgebürdet.
Ihre Gegner führen vor allem religiöse Gründe an, etwa den Verlust der körperlichen Unversehrtheit des Leichnams, aber auch die Bedeutung der Grabstätte als Ort der Besinnung und Trauerbewältigung.
Recherche der Woche: „Vox Pop“ hat sich in Griechenland umgehört, wo Einäscherung immer noch tabu ist. Griechenland ist das einzige Land in Europa, in dem es kein Krematorium gibt. Um den letzten Willen der verstorbenen Angehörigen zu erfüllen, sehen sich viele Griechen bereits gezwungen, deren Leichname in Bulgarien einäschern zu lassen.
(2): Funktionaler Analphabetismus: Ein unterschätztes Massenphänomen?
Jeder fünfte Europäer ist nicht in der Lage, einen einfachen Text sinnverstehend zu lesen oder eine Einkaufsliste zu schreiben. Das heißt, er ist funktionaler Analphabet. Der durch Analphabetismus verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird EU-weit auf 360 Millionen Euro geschätzt. Dazu zählen vermehrte Kosten für das Gesundheitssystem, etwa, weil die Betroffenen nicht frühzeitig behandelt werden, kein Rezept lesen können oder Angst vor dem Arztbesuch haben. Doch auch auf die Produktivität von Unternehmen wirkt sich mangelnde Lese- und Schreibkompetenz negativ aus. Trotzdem geht die Zahl der funktionalen Analphabeten nicht zurück. Warum geht es im Kampf gegen den Analphabetismus nicht voran?
Zu Gast bei „Vox Pop“ ist in dieser Woche Ihre königliche Hoheit Prinzessin Laurentien der Niederlande. Sie kämpft seit langem gegen den Analphabetismus in ihrem Land. 2009 wurde sie zur UNESCO-Sonderbotschafterin für Alphabetisierung ernannt.
Und wie immer berichten „Vox-Pop“-Korrespondenten aus ihren Ländern über das Thema der Woche: Welche Maßnahmen ergreifen die Länder im Kampf gegen den funktionalen Analphabetismus?
Die Reportage führt nach Belgien, wo einige Verbände der Regierung vorwerfen, sie tue bewusst nichts gegen den Analphabetismus im Land …

 


Regie :

Nicolas Thepot

Moderation :

Nora Hamadi

Land :

Frankreich

Jahr :

2019

Herkunft :

ARTE F