Vox Pop

Blutspenden gegen Bezahlung? / Sexuelle Gewalt: Missachtete Opfer?

29 Min.
Verfügbar vom 10/03/2019 bis 10/05/2019

Diese Woche: In Ungarn und Frankreich geht es um die Frage, ob durch finanzielle Anreize die Bereitschaft zur Blutspende erhöht werden kann. Anschließend beschäftigt sich die Sendung damit, wie Opfer sexueller Übergriffe selbst zu Schuldigen gemacht werden. Zu Gast ist die Gynäkologin Christine Gilles, die in Brüssel ein Betreuungszentrum leitet.

(1): Blutspenden gegen Bezahlung?
Jeder vierte Europäer spendet regelmäßig Blut. Für die ursprünglich unentgeltliche, selbstlose Spende wird mittlerweile in zahlreichen europäischen Ländern wie Deutschland, Ungarn, Tschechien und Österreich eine Aufwandsentschädigung gezahlt, denn Blutplasma wird zur Herstellung zahlreicher Medikamente benötigt. Die pharmazeutische Industrie macht Druck, dass künftig alle Spender entlohnt werden, um auf diese Weise mehr Freiwillige zu rekrutieren – und das eigene Geschäft anzukurbeln.
Kontroverse der Woche: Wie wirkt sich die Verwirtschaftlichung der Blutspende auf die Hilfsbereitschaft aus? Wer will unter diesen Umständen noch freiwillig Blut spenden?
„Schluss mit Solidarität“, sagen mittlerweile viele verärgerte Spender. „Es kommt nicht in Frage, dass mit unserem Blut Geschäfte gemacht werden.  In der Schweiz wurde 2016 aufgedeckt, dass das Rote Kreuz 85 % des gewonnenen Blutplasmas hinter unserem Rücken an Privatunternehmen weiterverkauft hat!“ Ärzte und Krankenhäuser mahnen dagegen ständig, wie wichtig es ist, Blut zu spenden, denn es herrscht überall und ständig ein großer Mangel an Blutkonserven.
Recherche der Woche: „Vox Pop“ hat sich in Ungarn umgeschaut, wo die Plasmaspende gegen Bezahlung erlaubt ist. Ein Vorbild, das in Europa Schule machen sollte, wo es an allen Ecken und Enden an Blutplasma fehlt? Welche Folgen hat die Verwirtschaftlichung der Blutspende? Und welche negativen Konsequenzen haben Spender zu befürchten?
(2): Sexuelle Gewalt: Missachtete Opfer? 
Wie lässt sich sexuelle Gewalt eindämmen? Zwischen 2013 und 2016 hat die Zahl der Opfer in Europa um 26 % zugenommen. Auch wenn die Gesetzgeber in vielen Ländern aktiv geworden sind, werden Opfer oft nicht ernst genommen, kaum betreut und müssen mit nicht nachvollziehbaren Gerichtsurteilen leben. Zum Beispiel in Irland, wo ein Gericht im November 2018 einen Mann freigesprochen hat, weil das Opfer einen Stringtanga trug. Das Gericht folgte der Argumentation des Mannes, der darin ein Indiz sah, dass die Frau mit ihm Sex haben wollte.
Diese Woche zu Gast bei „Vox Pop“ ist die Gynäkologin Christine Gilles, Leiterin des Betreuungszentrums für Opfer sexueller Gewalt in Brüssel. In dieser vorbildhaften Einrichtung kümmern sich Psychologen, Ärzte und Polizeibeamte umfassend um die Opfer.
Wie immer berichten „Vox-Pop“-Korrespondenten aus ganz Europa über das Thema der Woche. Diesmal fragen sie, was man in der EU über Opfer sexueller Gewalt denkt.
Die Reportage führt ins Vereinigte Königreich, wo Opfern nur wenig Gehör geschenkt wird. Aktuell erschüttert ein Skandal die Hauptstadt London: Staatsanwälte haben angeblich „minderschwere“ Fälle sexueller Gewalt unter den Tisch fallen lassen, um die Kriminalstatistik nicht in die Höhe zu treiben.

 


Regie :

Nicolas Thepot

Moderation :

Nora Hamadi

Land :

Frankreich

Jahr :

2019

Herkunft :

ARTE F