85 Min.
Verfügbar vom 17/04/2019 bis 22/06/2019

Filmessay (2018) über die Gräuel dieser Welt: "Le livre d’image", das neue Kinoexperiment der inzwischen 88-jährigen Filmlegende Jean-Luc Godard, lief vergangenes Jahr im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes. Im Mittelpunkt steht in diesem assoziativ montierten Bilderreigen nicht die Filmgeschichte, sondern die Lage der Menschheit und die drohenden Krisenherde unserer Zeit.

Godards „Bildbuch“ wurde 2018 beim Filmfestival in Cannes uraufgeführt und mit dem Spezialpreis ausgezeichnet. Sein aktuellstes Werk ist eine vielgestaltige Filmcollage und ein Kommentar zu unserer heutigen Zeit, der mit der narrativen Erzählweise des konventionellen Kinos bricht. Godard montiert Filmmausschnitte aus alten Hollywoodmusicals, Stummfilmszenen mit Buster Keaton, Ausschnitte aus Klassikern wie Dreyers „Johanna von Orléans“, Hitchcocks „Vertigo“ oder Max Ophüls „Pläsier“ lose aneinander. Daneben finden sich YouTube-Clips, Handyaufnahmen und Hinrichtungsvideos des IS aus dem Internet. Mit unzähligen Referenzen und Querverweisen geht es durch verschiedene Filmgenres, Sprachen, Kulturen und Religionen. Der Film berührt große Themen der Menschheitsgeschichte: Es geht um die Umwelt und ihre fortschreitende Zerstörung, um Liebe und Freiheit, die Stellung der Frau, um Unrecht, Krieg sowie um unsere Sicht auf die arabische Welt. In fünf Kapiteln reflektiert Godard die gesellschaftlichen wie politischen Hauptthemen der letzten Jahre, etwa die Folgen des Arabischen Frühlings und die Macht der digitalen Technik. Formal spielt der Film mit übersättigten Farben und Schwarz-Weiß-Aufnahmen, digitaler Verfremdung von altem Filmmaterial, wechselnden Bildformaten und Zeitlupen-Tempi. Unterlegt sind die Bilder bisweilen mit Godards eigener Stimme – auch in der deutschen Fassung – und einem aufwühlenden Klangteppich aus verschiedensten, teils verfremdeten Tonsequenzen. Ein aufgebrachter, inzwischen 88-Jähriger, dessen raue und zuweilen atemlose Stimme äußerste Dringlichkeit vermittelt. Vor 20 Jahren veröffentlichte Godard den letzten Teil seiner Reihe „Histoire(s) du cinéma“, in der er Filmzitate zusammenschnitt und so zu einem kontemplativen Streifzug durch die Filmgeschichte einlud. „Bildbuch“ ist formal ähnlich konzipiert, zeigt aber diesmal, „wie ein Jahrhundert im nächsten endet“. Godard konfrontiert den Zuschauer auf vieldeutige Weise mit den Schrecken unserer Zeit und befasst sich mit der Rolle der Bilderflut in einer Gesellschaft, die immer wieder von Umbrüchen und Kriegen erschüttert wird. Diese atemberaubende Assemblage von Texten, Bildern und Tönen ist das Ergebnis eines freien und aufmerksamen Auslotens aller Möglichkeiten einer Kunst, die die Welt widerspiegelt und sich selbst dabei immer wieder neu erfindet.  

Regie :
Jean-Luc Godard
Land :
Frankreich
Schweiz
Jahr :
2018
Herkunft :
ARTE F

Bonus und Ausschnitt