„Quintette“ von Jann Gallois im Pariser Théâtre de Chaillot

54 Min.
Live verfügbar: ja

Auch wenn man bei dem Titel „Quintette“ zunächst an ein fünfköpfiges Musikensemble denkt, liegt die Assoziation zu den fünf Fingern einer Hand gar nicht so weit. In ihrer Studie für fünf Tänzer hinterfragt Choreographin Jann Gallois die Möglichkeit, in einer Welt voller Individuen eine gemeinsame Kommunikations- und Handlungsebene zu finden.

Nachdem sie in der Aufführung Compact bereits die Mechanismen der Zweierbeziehung und in Carte Blanche die der Dreierbeziehung erforscht hat, erhöht Jann Gallois nun die Zahl der Akteure auf fünf. Die Anspielung auf das musikalische Quintett überrascht angesichts des Werdegangs der gelernten Musikerin wenig. Ihre anspruchsvollen choreografischen Arbeiten schöpfen aus dem HipHop, ohne dabei in irgendeine Schublade gesteckt werden zu können.

In ihrer Aufführung geht Jann Gallois dem Geheimnis zwischenmenschlicher Beziehungen auf den Grund, insbesondere dem Zustandekommen von Bindungen und Trennungen. Die Tänzer spüren der Schwierigkeit nach, sich als mehrere Individuen gemeinsam zu bewegen und Harmonie zu erzeugen. Ein universelles Thema, das daran erinnert, wie das fragile Gleichgewicht jeder Gemeinschaft aus der Spannung zwischen kollektiver Aufmerksamkeit und dem Kampf für eigene Interessen entsteht.

Die Welt von Jann Gallois liegt an einer Bruchstelle, irgendwo zwischen Verschmelzen und Bersten, wie schon der Name ihres Ensembles BurnOut andeutet. In der Präzision der Bewegungen und ihrer Wiederholungen scheinen unterschiedlichste Einflüsse auf, von Steve Reichs „Phasing“ bis hin zu Mathematik und Physik. Das Ergebnis ihrer ambitionierten Detailsuche präsentiert sie nun im Pariser Théâtre de Chaillot.


Aufzeichnung vom 3. April 2018 aus dem Théâtre National de Chaillot.

Foto © Laurent Philippe


Produktion :

24 Images

Land :

Frankreich

Jahr :

2018