Re: Genua nach der Katastrophe

Das Leben nach dem Brückeneinsturz

30 Min.
Verfügbar vom 19/12/2018 bis 18/03/2019
Untertitel für Gehörlose

Im vergangenen August stürzte die Morandi-Brücke in Genua ein. 43 Menschen kamen ums Leben. Bis heute weiß niemand genau, warum die Brücke einstürzte. Von Baufälligkeit ist seither die Rede, immer wieder sei vor einem Einsturz gewarnt worden. Der Autobahnbetreiber steht unter Anklage. Überlebende berichten für "Re:" aus der 'zona rossa', der "roten Zone" unter der Brückenruine.

„Du sitzt in deinem Lastwagen und fährst wie jeden Tag deine Ware zu den Kunden. Auf der Morandi-Brücke regnet es so stark, dass man nichts sehen kann. Plötzlich hörst du ein höllisches Krachen und alle Autos vor dir auf der Autobahnbrücke verschwinden im Nichts …“
„Du bist bei der Arbeit, in deiner Firma unterhalb der Brücke, lädst vom Lastwagen Kabel zum Recyceln ab, plötzlich hörst du quietschende Reifen, du schaust nach oben und als die Staubwolke sich lichtet, ist die Brücke nicht mehr da. Gleich danach eine erschreckende Stille …“
„Du kommst mit deiner Mutter aus dem Urlaub und kannst nicht mehr in dein Haus unter der Brücke. Sperrzone. Du weißt, wärst du nicht in den Urlaub gefahren, wärst du jetzt vielleicht nicht mehr am Leben. Einerseits bist du dankbar, aber dann das Leben im Hotel, ohne deine vertraute Umgebung, weit weg von deinem Viertel. Täglich Staus, weil deine Stadt in zwei Teile zerrissen wurde. Und das seit bald drei Monaten.“
Stillstand. Der einzige Lastwagen, der immer noch auf der Brücke steht, ein Mahnmal. Ein Mahnmal ist aber auch die zerbrochene Brücke selbst – für Schlamperei, für Chaos, für Gewinnsucht. Für die 43 Todesopfer und ihre Hinterbliebenen eine mörderische Brücke seit dem 14. August 2018.


Land :

Deutschland

Jahr :

2018

Herkunft :

SWR