We Come as Friends

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Nach Versklavung, Kolonialisierung und Unabhängigkeitsbewegungen scheint der Sudan, das größte Land Afrikas, immer noch von den Folgen der Globalisierung und des Neokolonialismus beherrscht. In Hubert Saupers Dokumentarfilm erfährt der Zuschauer hautnah, wie die Interessen Chinas und der Vereinigten Staaten bezüglich der sudanesischen Boden- und Naturschätze kollidieren.

Nach „Darwin’s Nightmare“ erregt Hubert Sauper mit seinem Dokumentarfilm „We Come as Friends“ erneut Aufsehen und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in eines der größten Länder Afrikas: den Sudan. Dabei zeigt er ungeschönt und kompromisslos die verheerenden Folgen der Globalisierung und des Kolonialismus. Der Sudan gehört zu einem der politisch unübersichtlichsten Gebiete der Welt. Nach der sudanesischen Unabhängigkeitserklärung im Jahr 2011 ist das Land in zwei verfeindete Nationen gespalten. Der Südsudan hat sich zwar aus arabischer Bevormundung gelöst, aber muss erst lernen als unabhängiger Staat zu funktionieren. Ein selbst gebautes Kleinflugzeug ermöglicht dem Zuschauer einen Blick aus der Vogelperspektive: Wald, Müllhalden, auf das Nötigste beschränkte Dörfer und gigantische Raffinerien Seite an Seite. Die Menschen unterliegen Not und Ausbeutung. Unter dem Vorwand der Entwicklungshilfe verschmutzen Chinesen und Amerikaner die Natur, die Menschen werden enteignet. Propaganda und Paternalismus gleichkommend missionieren texanische Evangelikale das Land, versteckt hinter Projekten humanitärer Hilfe. Sauper lässt sudanesische und internationale Entscheidungsträger, Politiker und Profiteure zu Wort kommen, er verleiht aber auch den Einheimischen eine Stimme. Der Film liefert kein endgültiges Urteil, vielmehr regt er zum Nachdenken über ein komplexes und problematisches Thema an: den Neokolonialismus. Trotz möglicher Kritik an Vereinfachungen und Ungenauigkeiten hinterlässt der Film einen bleibenden Eindruck. Die eingefangen Bilder und Worte sprechen für sich. Sauper arbeitet das Wesentliche heraus: das große Fressen der Raubtiere. Denn um es mit der Stimme eines Einheimischen zu sagen: „Selbst der Mond gehört dem weißen Mann.“

Regie :

Hubert Sauper

Land :

Frankreich
Österreich

Jahr :

2014

Herkunft :

ARTE F