Das verborgene Leben der Bonobos

44 Min.
Verfügbar vom 21/11/2019 bis 20/12/2019
Untertitel für Gehörlose

Obwohl Bonobos unter den Primaten die nächsten Verwandten der Menschen sind, wissen wir nur sehr wenig über sie. Sie gelten untereinander als außergewöhnlich friedfertig und haben sehr oft Sex. Dabei sind sie sowohl hetero- als auch homosexuell aktiv. Während sich Schimpansen gegenseitig oft bekriegen und sogar töten, lösen Bonobos ihre Konflikte und Streitigkeiten mit Sex.

Während sich Schimpansen gegenseitig bekriegen und sogar töten, lösen Bonobos – die unter den Primaten nächsten Verwandten der Menschen – ihre Konflikte und Streitigkeiten mit Sex. „Make love, not war“ – und das übrigens, im Tierreich eher ungewöhnlich, meist mit einander zugewandten Gesichtern und innigem Blickkontakt. „Sex ist für Bonobos wie Händeschütteln“, sagt der berühmte Primatenforscher Frans de Waal. Er dient den Bonobos zum Vergnügen, zum Spannungsabbau und zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls. Was sind die Ursachen für dieses Verhalten und die ausgeprägte Friedfertigkeit? Mit ungewöhnlichen Methoden will Leveda Cheng vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig diesem Phänomen tief im Dschungel der Demokratischen Republik Kongo auf den Grund gehen. Bonobos sind sehr scheu und leben im Verborgenen. Nur an ganz wenigen Stellen im Kongo leben sie in wilden Gruppen, die Menschen in ihrer Nähe zwar dulden, sich von diesen aber nicht beeinflussen lassen. Es ist daher extrem schwierig, ihnen das Geheimnis ihrer Friedfertigkeit zu entlocken. Deshalb ist auch die Forschungsmethode eher ungewöhnlich: Leveda Chang will versuchen, Urinproben der Tiere zu sammeln. Über die darin enthaltenen Hormone hofft sie herauszufinden, warum wilde Bonobos im Gegensatz zu Schimpansen so friedfertig sind. Ihren Urin geben die Bonobos freiwillig her: Sie pinkeln, wann ihnen danach ist. Für eine Blutentnahme zur Ermittlung der Hormone müssten die Tiere hingegen gefangen werden, was die Hormonwerte massiv beeinflussen und verfälschen würde. Die Wissenschaftlerin interessiert vor allem das Testosteron, das sogenannte Männerhormon, das Stresshormon Cortisol und das Oxytocin, das auch als „Kuschelhormon“ bezeichnet wird. So möchte sie herausfinden, warum sich die Tiere in unterschiedlichen Situationen so verhalten, wie sie es tun. Kein einfaches Unterfangen, weder für die Forscherin noch für das Filmteam, das Leveda über Wochen begleiten durfte. Die Aufnahmen zeigen auf eindrucksvolle Art und aus nächster Nähe die Lebensweise dieser außergewöhnlichen Tiere, ihr ausgeprägtes Sozialverhalten und ihre erstaunliche Kunst Konflikte zu lösen.

  • Regie :
    • Markus Schmidbauer
  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 2019
  • Herkunft :
    • BR