Kurzschluss
Schwerpunkt "Die russische Revolution wird 100"

56 Min.
Verfügbar: vom 9. Dezember 2017 bis zum 9. März 2018
Schwerpunkt "Die russische Revolution wird 100" (1/2): Sie brachte nicht nur gesellschaftliche und politische Veränderung, sondern revolutionierte auch die Kultur. (2/2) Spannend: Werke aus der Zeit der Revolution erhielten auch neue revolutionäre Klänge. Zwei Studierende der Hochschule für Musik Hanns Eisler berichten von der Herausforderung dieser künstlerischen Kleinode.
(1): Interplanetarische Revolution Kurzfilm von Senon Kommissarenko, Russland 1924Eine gelungene Talentprobe von Studierenden der Moskauer Filmhochschule, die mit diesem Film den ersten russischen Science-Fiction-Trickfilm geliefert haben. Es geht um den Export der Revolution auf den Mars: Genosse Kominternow erledigt die Kapitalisten, die in bester John-Heartfield-Manier mit Hakenkreuzen bewehrt sind, und rettet die Arbeiter auf dem Mars. „Interplanetarische Revolution“ parodiert den kurz zuvor entstandenen Spielfilm Aelita, der in seiner Mischung aus futuristischem Melodram und Sozialsatire den Studenten offenbar zu harmlos war. Die drei Regisseure absolvierten gemeinsam 1923 die Kunstakademie in Moskau und gründeten ein Jahr später das erste experimentelle Animationsstudio der Sowjetunion, wo „Interplanetarische Revolution“ aufgrund seiner satirischen Darstellung Stalins Zensur zu spüren bekam. Aufgrund der Probleme mit den stalinistischen Kulturbehörden mussten sie sich in den Dreißigern aus der Filmkunst zurückziehen.
(2): Zoom – Die russische Revolution wird 100 (1/2)Ein Grund zu feiern. Denn sie brachte nicht nur gesellschaftliche und politische Veränderung, sondern revolutionierte auch die Kultur. In den Anfangsjahren blühte die Avantgarde geradezu in allen künstlerischen Bereichen. So fanden Konstruktivismus, Futurismus und Dadaismus Eingang in die Filmkunst und wurden in Parodien und Propaganda phantasievoll eingesetzt.Am 12. November wird es an der Komischen Oper Berlin einen Revueabend dazu geben. Das Vorprogramm mit Kurzfilmen wird als szenisches Manifest den revolutionären Zeitgeist der 1910er und 20er Jahre erlebbar machen. Der Eröffnungsfilm „Interplanetarische Revolution“ erzählt vom Export der Revolution auf den Mars, Dziga Vertovs „Kinoprawda“ erinnert an die Oktoberrevolution und Sergei Eisenstein überrascht mit einer surrealistischen Groteske.
(3): Glomovs Tagebuch Kurzfilm von Sergei Eisenstein, Deutschland 1923Sergei Eisensteins Filmdebut „Glumovs Tagebuch“ entstand 1923 nicht fürs Kino, sondern fürs Theater, als Eisenstein Leiter der Proletkultbühne war. Der kurze dreiteilige Film verarbeitet das populäre Stück 'Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste‘ von Alexander Ostrowsky (1823-1886). Eisenstein konzentriert die Handlung um den jungen Glumov, der mit allen Mitteln in die bessere Gesellschaft aufsteigen möchte, auf eine rasante Episode (den Diebstahl seines Tagebuchs) und bereichert diese Episode mit Figuren der jüngsten russischen Zeitgeschichte. Entstanden ist dabei ein surreales Gesellschaftspanorama, das in seiner zirzensischen Inszenierung viel vom Zeitgeist in der jungen Sowjetunion erzählt.Seine berufliche Karriere begann Sergei Eisenstein im Theater, wo er 1923 seine erste Filmarbeit „Glumovs Tagebuch“ als Teil einer Theaterinszenierung vorstellt. In der Stummfilmzeit entstehen ab 1925 „Streik“, „Panzerkreuzer Potemkin“, „Oktober“ und schließlich „Die Generallinie“.
(4): Zoom – Die russische Revolution wird 100 (2/2)Spannend ist, dass die Werke neue revolutionäre Klänge, also einen neuen Soundtrack bekommen haben. Kurzschluss begleitet zwei Studierende der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei ihrer kreativen Arbeit und fragt sie nach den Schwierigkeiten, der Herausforderung und der Aktualität dieser künstlerischen Kleinode. Zudem werden wir tiefer in das Metier der Parodie und ihrer Vielfältigkeit eintauchen. Wie groß war der Einfluss der russischen Avantgarde auf Satire und Karikatur? Sind heute noch ihre Einflüsse zu spüren? Hierzu sprechen wir mit den Journalisten Harald Martenstein und Barbara Schweizerhof.
(5): Kino-Prawda Kurzfilm von Dziga Vertov, Deutschland 1922Diese Kino-Prawda, die 1922 mit dem Untertitel „Gestern, heute, morgen“ erschien, ist dem 5. Jubiläum der Oktoberrevolution gewidmet und lässt den Prozess der letzten Jahre Revue passieren: Revolution, Bürgerkrieg, Hungersnot, Sieg der Roten Armee über die Weißgardisten, neue Ökonomische Politik (NEP). Von 1922-26 drehte Vertov insgesamt 23 Folgen seiner Kino-Prawda und dokumentierte den Aufbau der jungen Sowjetgesellschaft. Vertov war ein entschiedener Gegner der Fiktion. Sein Credo war: das Kino soll Tatsachen zeigen, die mit bloßem Auge nicht gesehen werden können.Der Begründer des sozialistischen Dokumentarfilms Dzigo Vertov wird 1896 in Polen als Denis A. Kaufmann geboren und emigriert 1915 nach Moskau. Unter dem Namen „Kino-Glaz“ (Auge) gründet er 1921 eine Gruppe junger Dokumentarfilmer, die das Kino von der Inszenierung befreien wollen und die mit der Mitteln des Films eine kritische Sicht der Wirklichkeit vorstellen. Seine Monats- und Wochenschauen „Kino-Prawda“ bestechen durch ihre experimentelle Montage, die Vertov in „Der Mann mit der Kamera“ (1929) perfektioniert. Die Restriktionen Stalins bringen das Ende seiner avantgardistischen Arbeit.
 
 

Besetzung und Stab

Land :

Deutschland

Jahr :

2017

Herkunft :

ZDF