Kinogeschichten
Im Zentrum der Macht

51 Min.
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Die vierte Ausgabe der "Kinogeschichten" untersucht die Wechselbeziehung zwischen Politik und Spielfilm an Werken von Marco Bellocchio, Roman Polanski, Armando Iannucci, Robert Guédiguian, Bertrand Tavernier, Pierre Schoeller und Adam Price.
Auf den ersten Blick wird die politische Macht im französischen Kinofilm ziemlich selten dargestellt. Nur ein einziges Mal wagte man bisher, den ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterand zum Protagonisten eines Spielfilms zu machen: in „Letzte Tage im Elysée“ (2005) von Robert Guédiguian. 1984 tauchte in Francis Girods Filmdrama „Le bon plaisir - Eine politische Liebesaffäre“ allerdings auch schon einmal ein französischer Staatspräsident auf, glänzend dargestellt von Jean-Louis Trintignant. Pierre Schoeller dagegen setzte in seinem Film „Der Aufsteiger“ (2011) auf die reine Fiktion, um das Thema der Machtausübung darzustellen. Eine glaubwürdige Fiktionalisierung der Exekutive gelang auch dem Dänen Adam Price, dem Ideengeber und Hauptautor der dänischen Fernsehserie „Borgen - Gefährliche Seilschaften“ (2010–2013). Mit einem moralischen Anliegen setzten sich kürzlich auch drei bedeutende europäische Filmregisseure auseinander: Roman Polanski („Der Ghostwriter“, 2010), Armando Iannucci („Kabinett außer Kontrolle“, 2009) und Bertrand Tavernier („Quai d’Orsay“, 2013). Ihnen geht es um die Lüge, die zum Irakkrieg mitsamt seiner verheerenden Folgen führte. Manchmal wollen Filmemacher auch zur Wurzel des Übels vordringen, um zu verstehen, in welchem Moment Ansätze von Demagogie und Populismus in ihrem eigenen Land hochkommen. In „Der Tag, an dem die Nacht kam“ (2003) rekonstruierte der Italiener Marco Bellocchio die Geiselhaft Aldo Moros und fuhr schweres Geschütz gegen die gesamte politische Klasse Italiens auf. Die durch Moros Ermordung ausgelöste unumkehrbare Krise bereitete letztendlich den Weg für die Machtübernahme Berlusconis, der in Nanni Morettis Komödie „Der Italiener“ (2006) aufs Korn genommen wurde. Hier diente der Spielfilm als politische Waffe.

Regie :

Florence Platarets

Land :

Frankreich

Jahr :

2017

Herkunft :

ARTE F