Kultur und Pop - Kunst - 54 Min.

Sendetermine und Verfügbarkeit

Sendetermine: Freitag, 20. Oktober um 01.50 Uhr

Livestream: ja

Online vom 23. August bis zum 18. Dezember 2017

Jean Rouch gilt als Vater der Ethnofiktion und des Cinéma Vérité. Sein ungewöhnliches Leben und sein umfangreiches Werk sind untrennbar verbunden. In Niamey an den Ufern des Niger, wo der 1917 geborene Filmemacher 2004 seine letzte Ruhestätte fand, zeichnen Wegbegleiter ein feinfühliges Porträt des Filmemachers.

Der französische Filmemacher Jean Rouch (1917-2004) hat die Ethnologie und die Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. „Les maîtres fous“ aus den 1950er Jahren gehört zu seinen bekanntesten Filmen. Das Werk aus seiner Afrikareihe zeigt den „Tanz der Besessenen“, ein Ritual der Hauka, einer damals weit verbreiteten religiösen Sekte in Westafrika. In der spirituellen Kulthandlung wurde versucht, das Trauma des Kolonialismus zu verarbeiten. Das umfangreiche Werk des Regisseurs ist auch Abbild seines ungewöhnlichen Lebens, getrieben von seinen ethnographischen Studien in Niger, der Suche nach neuen filmischen Ausdrucksmitteln, der Lust auf Abenteuer und dem Anliegen, dem damals noch von Kolonialismus und Apartheid geprägten Afrika auf Augenhöhe zu begegnen. Bei seiner jahrzehntelangen Arbeit am Pariser Musée de l'Homme scherte sich der anspruchsvolle Forscher nicht um Konventionen; als unermüdlicher Künstler, leidenschaftlicher Geschichtenerzähler und Anhänger des Surrealismus wurde er zum Vordenker der Nouvelle Vague. Ihm gelang es, in seinem Leben und Werk rationales Vernunftdenken und afrikanische Vorstellungswelten miteinander zu vereinen. In Niamey an den Ufern des Niger, wo Rouch 2004 seine letzte Ruhestätte fand, zeichnen Zeitgenossen und Dokumentarfilmer ein feinfühliges Porträt des Ethnographen und Cineasten, der auch als Begründer des Cinéma Vérité gilt. Im Jahr 1946 verlor er bei einer Expedition am Fluss Niger in Afrika das Stativ seiner Kamera und war so gezwungen, den Apparat als Handkamera zu nutzen. Dies gilt als Beginn des Cinéma Vérité, dessen Namen er auch geprägt hat. Bilder in Technicolor aus verschiedenen Werken des Regisseurs, darunter „Jaguar“, „Moi, un noir“, „Cocorico Monsieur Poulet“ und „Petit à petit“, bringen dem Zuschauer eine entscheidende Phase der Kinogeschichte näher, in der der „afrikanische Film“ entstand und der schwarze Kontinent ein eigenes kulturelles Selbstverständnis entwickelte.

Besetzung und Stab
  • Regie: Laurent Védrine
  • Land:Frankreich
  • Jahr:2017
  • Herkunft:ARTE F
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