Kultur und Pop - Kunst - 43 Min.

Sendetermine und Verfügbarkeit

Sendetermine: Sonntag, 9. Juli um 16.45 Uhr

Livestream: ja

Online vom 09. Juli bis zum 07. Oktober 2017

Best of documenta: In diesem Sommer ist es endlich wieder so weit: Die documenta, die weltweit wichtigste Schau für zeitgenössische Kunst, findet traditionell nur alle fünf Jahre in Kassel statt. "Metropolis" stellt in seiner Sonderausgabe einige der diesjährigen Künstler und ihre Werke vor.

(1): documenta 14 – Highlights aus Kassel

Nach fünf Jahren ist sie wieder da: Die documenta - mit ihrer 14. Ausgabe. Seit 62 Jahren ist die documenta in Kassel die Weltkunstausstellung in Deutschland. Nur alle fünf Jahre öffnet die Schau ihre Türen. Jetzt ist es wieder soweit: Die documenta 14 hat begonnen. Was macht die Kunstschau aus? Was hat sie zu zeigen? Welchen Spiegel hält sie uns vor? Zensur als Thema: Auf dem Friedrichsplatz hat die argentinische Künstlerin Marta Minujín mit ihrem nachgebauten Parthenon aus Büchern jenen Büchern ein Denkmal gesetzt, die weltweit verboten waren oder sind. Sie glaubt, dass Kunst uns beschützen und die Welt retten kann. Ausbeutung als Thema: Mit seiner Holzskulptur „Mill of Blood“ zeigt der mexikanische Künstler Antonio Vega Macotela wie in Bolivien einst – vor allem von Sklaven – Silbermünzen hergestellt wurden. Ein brutaler Akt und eine beeindruckende Skulptur. Politische Statements: Auf der documenta 14 hat sich Regina José Galindo aus Guatemala zum Abschuss freigegeben, um auf die brutale Realität ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Die documenta 14 „to go“ und zum Kauf: Die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga verkauft politische Seifen und macht damit auf die ungerechte Verteilung von Ressourcen aufmerksam. Die serbische Künstlerin Irena Haiduk verkauft sogenannte „Borosana“-Schuhe – nach dem Vorbild der Planwirtschaft – die sie tausendmal mit ihrer Firma „Yugoexport“ hat herstellen lassen. Sie stattet damit die „Army of beautiful women“ aus. Noch bis zum 17. September ist die documenta 14 in Kassel geöffnet.

(2): Manthia Diawara

Im August 2008 kehrte der 1953 in Bamako, Mali geborene Künstler Manthia Diawara in seine Heimatstadt zurück, um Opernproben eines ausschließlich afrikanischen Ensembles auf einer eigens für den Anlass errichteten Bühne am Ufer des Niger zu filmen. „Bintou Were, a Sahel Opera“ erzählt von der Flucht nach Europa und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Jetzt hat Diawara sich in seinem neuen Essayfilm dieser Oper gewidmet und stellt Fragen: Was passiert, wenn eine Oper von Afrika nach Europa reist? Warum hat genau das auch mit dem Thema Flucht zu tun? Eine spannende Auseinandersetzung beginnt, wenn die Bilder der Oper auf „Found Footage“ von Geflüchteten im Mittelmeerraum treffen.

(3): Daniel Knorr

Konzeptkünstler Daniel Knorr war im Stress, als die documenta 14 vor der Tür stand. Fieberhaft arbeitete er an seinen Kunstbüchern mit dem Titel „Βιβλίο Καλλιτέχνη, 2017“. Mehr als 1.000 Stück hat er für Athen und Kassel fertiggestellt. Für die Bücher hat er einen Monat lang Müll in Athen gesammelt und in Säcken in sein Berliner Atelier gebracht. Hier steht er nun und sortiert Müllfetzen, die er schließlich zwischen die Seiten der Bücher presst.

(4): documenta 14 – Highlights aus Athen

Athen als zweiter Spielort der documenta 14. Eine Stadt zwischen internationalem Kultur-Glamour und Krise. Kann man wirklich „Von Athen lernen?“ Athen zeigt Kunst an fünfzig Schauplätzen. Die Sendung „Metropolis“ hat sich umgeschaut, die chilenische Künstlerin Cecilia Vicuña getroffen, die in der Sammlung „EMST“ (Nationales Museum für zeitgenössische Kunst) in Athen eine Skulptur aus ungesponnener Wolle in purpurrot präsentiert. Die Direktorin des Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst „EMST“, dessen Gebäude jahrelang leer stand, konnte dank der documenta 14 wieder öffnen. Doch von Kultur-Kolonialismus mag die Direktorin des „EMST“, Katherina Koskina, nicht sprechen.

(5): Nevin Aladağ

Nevin Aladağ reißt immer wieder alltägliches aus den gewohnten Zusammenhängen und setzt es neu zusammen. Ihre Installation „Musikzimmer“ beispielsweise, die im Rahmen der documenta in Athen gezeigt wird, besteht aus Möbeln und Haushaltsgegenständen, die sie gemeinsam mit griechischen Instrumentenbauern in Musikinstrumente verwandelt hat. In Kassel ist sie ebenfalls präsent – mit der Arbeit „Jali“. Wie eine Trennwand schlängelt sich eine hohe Mauer durch das Hessische Landesmuseum in Kassel. Die Module aus brüchiger Keramik sind mit orientalischen Mustern verziert. Entstanden ist das Werk in der Kunstgießerei Sankt Gallen.

(6): Olaf Holzapfel

Olaf Holzapfel ist ein Denker, der seine Gedanken und Analysen in klare, strukturierte Kunst umsetzt. Das können dann nackte Dachstühle im Wald sein, kraft- wie kunstvoll geschlungene Bilder aus Heu oder auch Heuballen in der City. Er ist ein vielfältiger Künstler. Neben Malerei und Grafik umfasst sein Werk auch Skulpturen, Fotografien und Installationen. Auf der documenta ist er mit Bildarbeiten vertreten und mit einer Holz-Skulptur im Kasseler Auepark. „Metropolis“ begleitet den Künstler und dokumentiert den Entstehungsprozess der Skulptur: Von den ersten Ideen und Skizzen, die in seinem Berliner Atelier entstehen, über die Auswahl des Holzes – 54 Meter hohe Douglasien – geschlagen in der Nähe von Kassel, bis zu den Aufbauarbeiten am Ausstellungsort.

(7): Máret Ánne Sara

„Ich wusste nicht einmal, was die documenta ist, bevor ich eingeladen wurde", sagt die samische Kunstaktivistin Máret Ánne Sara. Das Kunstprojekt von Máret Ánne Sara – eine Installation aus 300 Rentierschädeln samt Einschusslöchern – ist Teil der diesjährigen documenta 14. Eine Installation, die verstören könnte, doch das nimmt die Künstlerin wissend in Kauf. Denn sie, ihre Familie und viele andere Samen sind von dem Thema persönlich betroffen. 300 Schädel von Rentieren, jenen Lebewesen, die in der Kultur der Samen eine zentrale, nahezu heilige Bedeutung haben, zeugen davon. „Die Situation, in der wir uns befinden, ist politisch gesehen so brutal, wie meine Köpfe es sind“, sagt Máret Ánne Sara. „Deshalb möchte ich auch, dass die Leute die Einschusslöcher sehen.“

Besetzung und Stab
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2017
  • Herkunft:ZDF
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Bonus und Ausschnitt