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Der Dokumentarfilm lädt den Zuschauer anhand von Fragmenten aus dem Buch "Europeana. Eine kurze Geschichte Europas im Zwanzigsten Jahrhundert" des tschechischen Autors Patrik Ouředník zu einer Traumreise durch die letzten hundert Jahre ein. Ouředník schildert die turbulente Epoche in erfinderischer Sprache, mit viel Augenzwinkern – und ohne Rücksicht auf Chronologie.

Der Film lädt den Zuschauer anhand von Fragmenten aus dem Buch „Europeana. Eine kurze Geschichte Europas im Zwanzigsten Jahrhundert“ des tschechischen Autors Patrik Ouředník zu einer Traumreise durch die letzten hundert Jahre ein. Der 2001 erschienene und bereits in 30 Sprachen übersetzte Text hebt sich in Inhalt und Form von allen anderen Werken ab, die sich gemeinhin mit dem 20. Jahrhundert beschäftigen: Ouředník schildert große und kleine Ereignisse dieser turbulenten Epoche ohne Rücksicht auf Chronologie, in erfinderischer Sprache und mit viel Augenzwinkern. Sein kunterbuntes Inventar umfasst den Ausbruch des Ersten Weltkriegs ebenso wie den Millenium-Bug, den Tod Gottes und das Farbfernsehen, Birkenau und den Positivismus, die weibliche Emanzipation und die Erfindung der Rolltreppe und vermittelt so ein tragikomisches Bild der Menschheit, absurd und logisch zugleich.
Der Film verbindet Textauszüge auf dem Off mit einer Zusammenstellung von Archivbildern, zeitgenössischen Aufnahmen, fiktiven Szenen und diversen visuellen und klanglichen Spielereien. Wie ein modernes Stillleben, nach Art der Gemälde des 17. Jahrhunderts mit Totenkopf, Sanduhr und welken Blumen, lädt er ein zum Nachdenken über Vergänglichkeit, Sterben und die Frage nach dem wirklich Wichtigen.
Der Film spielt mit geschichtlichen Referenzen und medialen Codes; Archivbilder und Super-8-Aufnahmen entführen bisweilen in trügerische Dimensionen. Die Musikstücke, die bis auf eine Aufnahme aus dem 20. Jahrhundert stammen, spielen eine besondere Rolle; ersetzen den Text oder geben ihm neuen Sinn. Die vier Kinder, die immer wieder auftauchen, stammen aus einer Familie: Als Versinnbildlichung des Lebens widmen sie sich ihren Spielen, ungeachtet dessen, was um sie herum erzählt wird.
Anfang und Ende des Films erinnern an einen Science-Fiction-Film; dazwischen wirken die rasant geschnittenen Bilder wie unzählige Rückblicke aus einer fernen Zukunft. Der Film gönnt seinem Zuschauer kaum eine Atempause – und lässt ihn so benommen zurück, dass er sich fühlt mag wie der Leser nach dem Zuklappen des Buches von Ouředník.

 


  • Regie :
    • Arnaud De Mezamat
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2018
  • Herkunft :
    • ARTE F