Aschenputtels Fußstapfen

82 Min.
Verfügbar vom 24/12/2018 bis 28/02/2019
Kaum eine andere Märchenfigur hat das kollektive Bewusstsein so stark geprägt wie Aschenputtel. Und das gleichermaßen für Kinder wie Erwachsene. Woher kommt diese Faszination, die zu immer neuen Analysen und Fassungen der Aschenputtel-Geschichte führt? Der Dokumentarfilm geht den Ursprüngen des Märchenstoffs, seiner Symbolik und seinem zeitlosen Zauber auf die Spur.
Für die Anthropologin Nicole Belmont verkörpert Aschenputtel im klassischen Sinne das junge Mädchen, das von zu Hause ausziehen muss, um selbst eine Familie zu gründen. Aschenputtel ist eine mythische und zugleich allgemeingültige Figur, die in allen Ländern und zu allen Zeiten bekannt war. Der Dokumentarfilm folgt den Spuren der Märchenfigur bis ins China des 9. Jahrhunderts, wo die älteste schriftliche Quelle des Märchens gefunden wurde. In Europa gab die Landbevölkerung die Geschichte mündlich weiter, bevor sie durch Charles Perrault und die Brüder Grimm auf Papier gebannt wurde. In den verschiedenen Versionen trifft Aschenputtel, auch Aschenbrödel genannt, ihren Prinz mal auf dem Ball, mal im Gottesdienst. Die Leitmotive des Märchens – Asche, Ausgehverbot, Ball und verlorener Schuh – blieben immer gleich, änderten mit der Zeit jedoch ihre Bedeutung. Aschenputtel passte sich stets ihrer Epoche an, und in modernen Adaptionen wurde die böse Stiefmutter zur Kreditkarte und der Prinz zum Tycoon. Selbst Feministinnen nahmen sich der Figur an und stellten der perfekten Hausfrau aus dem Disneyfilm eine utopische Powerfrau gegenüber, wie sie Drew Barrymore in der Cinderella-Verfilmung „Auf immer und ewig“ verkörperte. Künstler wie Joël Pommerat, Rudolf Nurejew, Billy Wilder und Agnès Jaoui ließen das Aschenputtel in Filmen, Opern und Theaterstücken wieder aufleben. Und bewiesen: Das Märchen hat nichts von seiner Strahlkraft verloren.

Regie :

Priscilla Pizzato

Land :

Frankreich

Jahr :

2016

Herkunft :

ARTE F