Augenblicke der WeltgeschichteLéon Collin, ein Arzt in den Sträflingskolonien

27 Min.
Verfügbar vom 26/11/2020 bis 24/01/2021

1906 tritt Léon Collin, ein junger Militärarzt, seinen Dienst auf einem Schiff an, das zwei Mal jährlich Häftlinge von der Île de Ré nach Französisch-Guyana bringt. Bei seinen Reisen und einem Aufenthalt in Neukaledonien wird ihm die Grausamkeit des französischen Justizvollzugssystems bewusst: Seine Fotos zeigen die unmenschlichen Zustände in Kolonialgefängnissen, in die zwischen 1854 und 1938 über 100.000 Straftäter aus Frankreich deportiert wurden. 

Die Fotos des Militärarztes Léon Collin dokumentieren die Zustände in den französischen Kolonialgefängnissen, in die zwischen 1854 und 1938 mehr als 100.000 Straftäter deportiert wurden. Manche waren zu Zwangsarbeit verurteilt worden, andere hatten ihre Strafe schon abgesessen und wurden aus Angst vor Rückfällen so lange wie möglich – manchmal lebenslang – aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Auf diese Weise entledigte sich Frankreich vieler Straffälliger, darunter auch Kleinkriminelle und Anarchisten. 1906 trat Léon Collin seinen Dienst auf einem Schiff an, das zweimal jährlich Häftlinge von der Île de Ré nach Französisch-Guayana brachte. Der Reisebericht, den er verfasste, zeugt von den erschütternden Erlebnissen in den Kolonialgefängnissen, die den jungen Militärarzt zutiefst prägten. Wenig später sollte der Journalist Albert Londres in seinen Reportagen über Französisch-Guayana das Strafvollzugssystem noch harscher kritisieren. Dennoch entsandte Frankreich noch bis 1938 Straftäter nach Guayana; die letzten Häftlinge verließen Cayenne erst 1954.

  • Regie :
    • Philippe Broussard
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2015
  • Herkunft :
    • ARTE F