Eher sterben als sterben

2 Min.
Verfügbar: vom 18. Dezember 2017 bis zum 8. Dezember 2019
Nächste Ausstrahlung : Dienstag, 19. Dezember um 00:15
Aby Warburg, deutscher Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, litt an einer schweren Psychose. Der Film begibt sich auf die Spuren des Ersten Weltkriegs, indem er zwei Geschichten, zwei Zivilisationen und zwei ganz eigene Wahrnehmungen einer Epoche und ihrer Leiden in den Blick nimmt.
Aby Warburg (1866-1929) war ein deutscher Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, der sich im Laufe seines Lebens mit der Kultur der Hopi-Indianer, mit Astrologie und Sternenkunde sowie mit dem Grauen des Ersten Weltkriegs befasste. Er begründete 1926 die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg, eine Sammlung von 60.000 Büchern, unzähligen Broschüren, Zeitschriften sowie einer großen Menge an Fotos und Zeitungsausschnitten zum Ersten Weltkrieg.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 verfällt er in eine schwere Psychose. Da er droht, sich und seine Familie umzubringen, wird er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Natasha Nisics Dokumentarfilm nimmt den erzählerischen Faden auf, indem er schildert, wie Warburg sich bei einer Halluzination bei den Hopi-Indianern widerfindet, deren Kultur er bei einer Reise nach Arizona im Jahr 1895 erforscht hatte.
Der Film begibt sich auf die Spuren des Ersten Weltkriegs, indem er zwei Geschichten, zwei Zivilisationen und zwei ganz eigene Wahrnehmungen einer Epoche und ihrer Leiden in den Blick nimmt. Einerseits sind da die Indianer Nordamerikas, insbesondere die Hopi, die sich überwiegend freiwillig bei den Alliierten einreihen und 1917 und 1918 in der Picardie und an der Somme kämpfen. Und andererseits die Beschreibungen des täglichen Leidens, die sich in den Aufzeichnungen des Psychiaters Ludwig Binswanger zu seinem Patienten Aby Warburg wiederfinden.
Aby Warburg ist Erbe einer jüdischen Bankiersfamilie aus Deutschland. Er hat seinen Teil des Erbes jedoch bei seinem Bruder gegen das Versprechen eingetauscht, alle Bücher zu bekommen, die er für die Bibliothek Warburg benötigt. Während der langen Kriegsmonate sammelt Warburg Tausende Bilder und Texte für seine kulturwissenschaftliche Bibliothek, anhand derer er die ideologischen Grundlagen eines todbringenden Krieges zu begreifen versucht – und darüber den Verstand verliert.
1933 wurde die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg nach London verschifft, um sie vor den Nazis zu retten. Alle Karteikästen der Sammlung – bis auf vier, die in Deutschland geblieben sind – werden bis heute neben Warburgs Kriegstagebüchern in London aufbewahrt.

Besetzung und Stab

Regie :

Natacha Nisic

Land :

Frankreich

Jahr :

2017

Herkunft :

ARTE F