Viktor

9 Min.
Verfügbar: 16/03/2017 bis zum 30/06/2019
"Viktor" komprimiert die Absurditäten, die während eines über Monate dauernden Schach-Wettkampfes tatsächlich 1978 stattgefunden haben. Es ist eine Geschichte, die entscheidende Minuten erzählt, in denen der einstige Meister Kortschnoi einsehen muss, dass er diesen Kampf gegen seine frühere Heimat und gegen seinen größten Konkurrenten Karpow nicht gewinnen kann ...
Seit Wochen steht die Luft im Kongresszentrum von Baguio auf den Philippinen, in dem sich im brütend heißen Sommer des Jahres 1978 entscheidet, wer sich die kommenden Jahre Schachweltmeister nennen darf. Viktor Kortschnoi (47) und Anatoli Karpow (27) treten an, um den Titel nach Hause zu tragen. Karpow für Russland und Kortschnoi, nun ja, das ist so eine Sache ...
Ebenfalls in Russland geboren und bis vor kurzem für sein Heimatland spielend, ist Kortschnoi in den Westen emigriert, als er feststellen musste, dass nicht mehr er, sondern der viel jüngere Karpow vom russischen Schachverband zur neuen Nummer Eins des Landes auserkoren wurde. Nun sitzt er seinem Erzrivalen gegenüber, hat endlich die Gelegenheit, mit dem System, das ihn verstoßen hat, abzurechnen, und muss sich letztendlich doch eingestehen, dass er als Verlierer nach Hause fahren wird.
Die beiden Männer, die bei dieser Weltmeisterschaft aufeinandertreffen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der junge Karpow, bereits amtierender Weltmeister, gilt als kühler Stratege, selten zeigt er Gefühle, immer ist er berechnend und siegessicher. Anders der alternde Kortschnoi, der seit jeher als Hitzkopf bekannt ist. Aufbrausend und emotional, ein Chaot und Besessener, dem Schach alles bedeutet.
Aber es sitzen sich nicht nur die beiden Männer gegenüber. Es sind zwei Systeme, die hier aufeinanderprallen, und bald zeigt sich, dass alle Mittel recht sind, um dieses Spiel zu gewinnen.
So hat Karpow einen Parapsychologen an seiner Seite, dessen einzige Aufgabe es ist, Kortschnoi während des Spiels unentwegt anzustarren und so aus dem Konzept zu bringen. Und nach jeder Partie lässt er sich einen Joghurt mit frischen Blaubeeren servieren, in deren Anzahl der von Haus aus paranoide Kortschnoi geheime Botschaften des KGB vermutet.
Aber auch Kortschnois Entourage besteht aus allerlei absonderlichem Personal. Da sind seine Trainerin Petra, mit der er seit geraumer Zeit eine Affäre hat, seine Sekundanten, die keine gemeinsame Sprache sprechen, und schließlich die beiden Yoga-Gurus Didi und Dada, die für sein Seelenheil meditieren. Nicht minder kurios zeigt sich Kortschnoi selbst, der sich durch das Tragen einer verspiegelten Sonnenbrille vor mentalen Angriffen der Gegnerseite zu schützen glaubt.

Besetzung und Stab

Produktion :

Filmakademie Baden-Württemberg, La fémis

Regie :

Sandra Wollner, Michaela Taschek

Drehbuch :

Michaela Taschek

Darsteller :

Andrej Kaminsky
Ilja Pletner
Hans Scheible

Land :

Deutschland

Jahr :

2015