Kirschblüten und rote Bohnen

(2 Min.)
Verfügbar von 14/05/2018 bis 20/05/2018
Live verfügbar: ja
AudiodeskriptionUntertitel für Gehörlose

Ein kleiner Imbiss für Dorayaki (japanische Pfannkuchen) wird zum Zentrum einer Art Patchwork-Familie: Sentaro betreibt lustlos den Laden als Entschädigung für ein von ihm begangenes Verbrechen ... - Beim Festival von Cannes, wo Regisseurin Naomi Kawase regelmäßig im Wettbewerb läuft, lief der Film 2015 als Eröffnungsfilm des "Un Certain Regard".

Sentaro betreibt lustlos einen kleinen Imbiss für Dorayaki – mit einer süßen Bohnenpaste gefüllte Pfannkuchen –, der mehr schlecht als recht läuft. Doch alles ändert sich, als Tokue sich bei ihm bewirbt. Sentaro will der alten, gebrechlichen Frau mit den verkrüppelten Händen eigentlich absagen, doch als er ihre selbstbereitete süße Bohnenpaste – die titelgebende „An" (Originaltitel) – kostet, lässt er sich umstimmen. Tokue führt Sentaro in die Kunst der „An"-Zubereitung ein, die vor allem aus Sorgfalt, Liebe zu den Produkten und Wertschätzung der Arbeit besteht. Für Sentaro eine neue Welt, denn er betreibt den Kiosk nur, um eine alte Schuld abzutragen: Als Wiedergutmachung für ein von ihm begangenes Verbrechen arbeitet er nun für die Familie, die sein Schmerzensgeld bezahlt hat, um so seine Schulden zurückzahlen zu können. Durch Tokues köstliche „An"-Paste beginnt der Imbiss zu laufen. Das bekommt auch das Schulmädchen Wakana zu spüren, das am Imbiss herumhängt und sich Reste holt. Sentaro und Tokue werden für sie, deren alleinerziehende Mutter rastlos auf der Suche nach einer neuen Liebe ist, mehr und mehr zum Familienersatz. Als ruchbar wird, dass Tokues verkrüppelte Hände von einer auskurierten Lepraerkrankung herrühren, bleiben die Kunden aus und die Imbiss-Besitzerin zwingt Sentaro dazu, seine Angestellte zu entlassen. Als Sentaro und Wakana Tokue in ihrem Zuhause, einem Quarantäne-Heim für die letzten japanischen Leprakranken, besuchen, finden sie sie voller Dankbarkeit vor. Denn durch die Arbeit sei ihr der Wunsch erfüllt worden, sich in der und für die Gesellschaft nützlich zu machen. Wie in den Filmen der japanischen Altmeister Ozu und Mizoguchi geht es um den Verlust der traditionellen japanischen Werte (und handwerklichen Fähigkeiten) in einer von entfremdeter Arbeit geprägten Moderne. Die Regisseurin Naomi Kawase hat es geschafft, universelle Themen wie Schuld, den Wert des Einzelnen in der Gesellschaft und den Konflikt zwischen Tradition und Moderne in der Traditionslinie der alten Melodramen, aber gleichwohl mit Humor zu erzählen. Ein emotional tiefer, anrührender und zugleich heiterer Film.

Kamera :

Shigeki Akiyama

Schnitt :

Tina Baz

Musik :

David Hadjadj

Produktion :

Twenty Twenty Vision
Kumie Inc.
Comme des Cinémas

Produzent/-in :

Masa Sawada

Regie :

Naomi Kawase

Drehbuch :

Naomi Kawase

Darsteller :

Kirin Kiki
Masatoshi Nagase
Kyara Uchida
Taiga
Wakato Kanematsu
Etsuko Ichihara

Autor :

Durian Sukegawa

Kostüme :

Miwako Kobayashi

Land :

Deutschland
Frankreich

Jahr :

2015

Herkunft :

ZDF