Hinrichtung auf offener Straße
Der Armenier Tehlirian rächt den Völkermord

52 Min.
Verfügbar von 10.02.2018 bis 17.02.2018
Live verfügbar: Ja

1921 wurde Talât Pascha, der im Berliner Exil lebende letzte Innenminister des Osmanischen Reichs, auf offener Straße von dem jungen Armenier Soghomon Tehlirian erschossen. Tehlirian agierte als der bewaffnete Arm eines Geheimbundes, der sich zum Ziel gesetzt hatte, das armenische Volk zu rächen. Dokumentarfilm zum 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Am 15. März 1921 wurde Talat Pascha, der im Berliner Exil lebende letzte Innenminister des Osmanischen Reiches, auf offener Straße von dem jungen Armenier Soghomon Tehlirian erschossen. Als Tehlirian einige Monate später vor einem deutschen Gericht stand, stellte er sich als Opfer dar: „Ich habe einen Menschen umgebracht, aber ich bin kein Mörder.“ Der Prozess nahm eine überraschende Wende, denn Tehlirian brachte das Gericht dazu, sich mit Talat Paschas Verantwortung für das Massaker an den Armeniern im Jahr 1915 zu befassen. Das Urteil lautete letztlich auf Freispruch. Der Prozess setzte den Völkermord wieder auf die Tagesordnung. Überlebende Augenzeugen berichteten Einzelheiten über Verschleppungen und Massaker und enthüllten die ganze Tragweite des Vernichtungssystems der Jungtürken-Regierung. Anhand der Protokolle der Gerichtsverhandlung, die in fiktionalen Szenen nachgestellt wird, sowie von Archivbildern und Einschätzungen anerkannter internationaler Experten beleuchtet der Film die widersprüchlichen Facetten dieses Falls und zeigt, wie das Gefühl widerfahrenen Unrechts eine Gruppe von Männern dazu brachte, ihr Volk rächen zu wollen. Denn Soghomon Tehlirian war kein Einzeltäter und ging auch nicht planlos vor. Er agierte im Auftrag der „Operation Nemesis“, eines Geheimbundes, der 1921 und 1922 Anschläge auf fünf weitere hochrangige Türken verübte, die nach dem Ersten Weltkrieg für die Beteiligung am Genozid verurteilt worden waren. Vor dem Hintergrund des 100. Jahrestags des Völkermords an den Armeniern erhellt der Film die Ursachen dieses ersten Verbrechens gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert und stellt erneut die Frage nach der internationalen Anerkennung des Genozids, die ein Jahrhundert nach den Ereignissen besonders in der Türkei immer noch strittig ist.

Besetzung und Stab

Regie :

Bernard George

Land :

Frankreich

Jahr :

2014

Herkunft :

ARTE F