Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse
Das Martyrium der Heiligen Apollonia, Jean Fouquet, 1461

27 Min.
Verfügbar von 22/07/2018 bis 19/09/2018
Live verfügbar: ja

Die Dokureihe stellt herausragende Werke der Kunstgeschichte auf eine ganz andere Art vor ... In dieser Folge: Um 1450 deutet Jean Fouquet mit seinem winzigen, feinen Pinsel den Humanismus in seinem "Martyrium der Heiligen Apollonia" zaghaft an und enthüllt die ersten Anzeichen der modernen Zeit.

Um 1450 ging der Hundertjährige Krieg seinem Ende entgegen, aber das Königreich Frankreich war noch gespalten. Die Kämpfe, die Pest und die Hungersnot hatten die Bevölkerung fast um die Hälfte dezimiert. König Karl VII. und sein Hof ließen sich in Tours nieder. Im Stadtzentrum hatte der hoch angesehene Maler Jean Fouquet sein Atelier. Von dort stammt seine Miniatur im Format 16 x 12 Zentimeter, die den Titel „Das Martyrium der Heiligen Apollonia“ trägt. Bei dem religiösen Werk handelt es sich um eine der 47 noch erhaltenen Bilderhandschriften, die Fouquet für das Stundenbuch Etienne Chevaliers, eines reichen Auftraggebers, ausführte. Wie alle Buchmaler schuf Fouquet das sehr behutsam gemalte Werk mit Hilfe einer Lupe. Er ließ sich von einer der Geschichten der „Legenda aurea“ anregen, die um 1260 von dem Dominikaner Jacobus de Voragine verfasst wurde. Diese „goldene Legende“ beschreibt die Folterungen der ersten Christen im Römischen Reich. Der Maler zeigt, wie die Henker der auf einem Folterbett gefesselten heiligen Apollonia die Zähne ausreißen, damit sie ihrem Glauben abschwört. Eine undisziplinierte Menge drängt sich indes auf den Zuschauerrängen, um dem Schauspiel zuzusehen, als handle es sich um ein Mysterienspiel, eine theatralische Darstellung des Martyriums der Heiligen. Fouquets Werk fordert den Betrachter auf, dieser Entfaltung von Schmerz und Gewalt beizuwohnen, die in der mittelalterlichen Vorstellungswelt kein Einzelfall ist. Durch die Einbettung in eine Theaterszenerie verharmlost der Künstler jedoch das Dargestellte. Er setzt das Theatralische als eine Art Filter ein und erzwingt damit eine Distanzierung, die bereits die Anfänge der Renaissance ankündigt.

Regie :

Carlos Franklin

Land :

Frankreich

Jahr :

2013

Herkunft :

ARTE F