Indien: Die flammenden Flöze von JhariaARTE Reportage

16 Min.
Verfügbar vom 17/05/2019 bis 16/05/2020

Seit hundert Jahren schon, also seit in der Gegend Kohle abgebaut wird, brennt die Erde in der Region Jharia. Niemand hier scheint in der Lage, diese unterirdischen Feuer zu löschen, die das Leben einer halben Million Inder bedrohen.

In dem Dorf Bokapahari gibt es niemanden, der nicht vom illegalen Kohleabbau lebt. Frauen, Kinder und Alte scharren im Boden nach einigen Kilo schwarzem Gold. Und hinter ihnen stürzen ihre Häuser in sich zusammen, zerfressen von Grubensenkungen, Hangrutschen und Tagebrüchen.

« Überall gibt es nur das: Kohleminen und Brände, Rauch und Staub.” Die regionalen Umweltbelastungen sind hoch. Ashok Agarwal ist verzweifelt, wenn er die zehntausende seiner Landsleute sieht, die rund um den Kohletagebau herumvegetieren. Ashok, ein besonnener Mann, kämpft seit Jahren für die Bewohner und gegen die nationale Bergwerkgesellschaft BCCL, die die Menschen aus den Dörfern verjagen und das Abbaugebiet vergrössern will.

Wir sind in der Region Jharia im Nordosten Indiens, westlich von Kalkutta. Auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern liegt dort eines der bedeutendsten Kohlevorkoimmen weltweit. Der Steinkohlebergbau fördert einerseits die Kohlebrände, da er dem Luftsauerstoff verbesserten Zutritt zur Kohle verschafft, andererseits beeinträchtigen oder verhindern die Brände den Fortgang des Bergbaus. Es wird geschätzt, dass in Indien etwa 70 Prozent der Brände bergbaubedingt sind.

Um zu überleben klauben die Einwohner Kohlenbrocken von Hand auf – zu Fuss zwischen riesigen Fördermaschinen und Kippern.  Ein oder zwei Euro am Tag können sie mit dieser gefährlichen Arbeit verdienen. Der Rauch der Brände verursacht bei den Bewohnern des dichtbesiedelten Gebietes Lungen- und Krebserkrankungen. Vor zehn Jahren hat die indische Regierung für eine Milliarde Euro ein grosses Umsiedlungsprogramm für 80 000 Menschen aufgelegt. Nur 2000 Menschen sind dem Umzug in eine Schlafstadt zehn Kilometer weiter gefolgt.

Die anderen sind ohne Alternative. Um zu überleben, pilgern sie Morgen für Morgen zu Fuss über die brennende Erde zum Kohlebecken von Jharia. Kinder von 5 bis 6 Jahren und Alte von über 60. Wie übriggebliebener Abraum eines Landes, dessen Entwicklung sich  rapide forwärtsfrisst.


  • Regie :
    • Sébastien Mesquida
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2013