Dollars für einen Heiligen

56 Min.
Live verfügbar: nein

Das Festival Ai Simios in der Küstenstadt Mesolongi wird von zwei gesellschaftlich unterschiedlichen Gruppen zusammen gefeiert: den einheimischen Stadtbewohnern und den Roma, die am Rande der Stadt wohnen. Doch die sozialpolitischen Verhältnisse in Griechenland befinden sich im Umbruch. Wie lange wird es diese Form des interkulturellen Austauschs noch geben?

Mesolóngion ist eine Küstenstadt in Westgriechenland, geprägt von einer ereignisreichen Vergangenheit. Während der Herrschaft des Osmanischen Reichs im 19. Jahrhundert war Mesolóngion einige Jahre umzingelt. Die Belagerung endete mit einem heldenhaften, aber misslungenen Ausbruch: Der Plan wurde verraten, und Tausende wurden niedergemetzelt bei dem Versuch, die Linien der feindlichen Türken zu überwinden. Heute ist es ruhiger in Mesolóngion. Die Einwohner gehören im Wesentlichen zwei gesellschaftlichen Gruppen an: den einheimischen Stadtbewohnern und den Roma, die am Rande der Stadt leben. Die zwei Gemeinschaften leben weitgehend getrennt voneinander, jede mit ihren eigenen Bräuchen und Traditionen, obwohl sie sich seit Jahrhunderten die Stadt teilen. Überlieferungen zufolge gaben die Zigeunertrommeln dem griechischen Volk damals den Mut für seinen Widerstand gegen die Eroberung durch die Osmanen. Einmal im Jahr, an Pfingsten, finden diese zwei Welten für das Fest des heiligen Simeon (Ai Simios), des Schutzheiligen der Stadt, zusammen. Während des Festes geben Reiche und Arme gleichermaßen beträchtliche Summen in Form von Ein-Dollar-Scheinen aus. Die Scheine werden in die Luft in Richtung Musiker geworfen, als Entgelt für die Melodien, die die Teilnehmer in Stimmung bringen. Die Musizierenden sind Roma, die auf ihren traditionellen Instrumenten spielen. Aufgrund der Feier hat sich eine Tradition des gegenseitigen Respekts und Verständnisses beider Kulturen entwickelt. Diese Harmonie ist jedoch aufgrund der sozialpolitischen Veränderungen in Griechenland gefährdet.

Regie :

Avra Georgiou

Land :

Griechenland
Frankreich

Jahr :

2012

Herkunft :

ARTE
ERT