Sendetermine und Verfügbarkeit

Sendetermine: Dienstag, 3. Oktober um 00.35 Uhr

Livestream: ja

Online vom 02. Oktober bis zum 10. Oktober 2017

Der Dokumentarfilm blickt hinter die tragikomische Maskerade, die sich in der bulgarischen Gesellschaft nach dem Zerfall des Ostblocks und dem EU-Beitritt des Landes etabliert hat. Das Land befindet sich in einer Dauerkrise. Anhand unterschiedlichster Lebenswege führt der Film mit schwarzem Humor vor Augen, wie sich marode Systeme beständig selbst erneuern.

Eine graue Straßenbahn rumpelt durch Sofia, die Hauptstadt des ärmsten Landes der Europäischen Union. Sie verbindet die armen Viertel am Rand der bulgarischen Hauptstadt mit dem Zentrum. Derweil finden sich in einem Hotel aufgetakelte Prominente, Politiker und neureiche Industrielle zu einem großen Ball ein. Sie sind Dauergäste eines Festes, bei dem das einfache Volk nicht zugelassen ist. Der Ball wird in Balabanovs kompromisslosem Film zum Sinnbild einer tragikomischen Maskerade, die sich in der bulgarischen Gesellschaft etabliert hat. Das Land ist von der Sowjet-Ära in die Europäische Union geschlittert und hat sich dabei immer nach dem amerikanischen Traum gesehnt. Die neuen bulgarischen Eliten sind meist die alten, nur haben sie sich als Demokraten verkleidet. „Bulgarien - Das Fest geht weiter“ begleitet einen Journalisten in seiner Talkshow. Zu seinen illustren Gästen gehören ein Hauptkommissar, der zum Thema organisiertes Verbrechen geladen ist. Es geht um Auftragsmorde, Drogenhändler und Scheinverfahren. Aber auch Vertreter der Kirche sowie Popstar und Skandalsänger Aziz, Roma und Transvestit, und es geht um Themen wie Homosexualität. Parallel führt eine desillusionierte Meinungsforscherin Umfragen auf der Straße durch, immer mit den gleichen Fragen: „Wofür reicht Ihr Geld?“, „Befürworten Sie Bulgariens EU-Mitgliedschaft?“ „Die Marionetten wurden nur ausgetauscht. Die Fäden ziehen immer noch die gleichen Leute“, so Poet und Dissident Nikolai Kolev. Er hatte die Tomatenrevolte ausgerufen, seit Jahren ist er nun befreundet mit einem ehemaligen Geheimdienstoffizier. Die Lebensgeschichten dieser Individuen unterschiedlichster Herkunft veranschaulichen die extreme Orientierungslosigkeit, die Bulgarien heute kennzeichnet. Gleichzeitig führt Balabanovs spannend verknüpfte Erzählung vor Augen, wie sich ein marodes System immer wieder selbst erneuert.

Besetzung und Stab
  • Regie: Gueorgui Balabanov
  • Land:Frankreich
  • Jahr:2011
  • Herkunft:ARTE F
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Bonus und Ausschnitt