Verrückt nach Schuhen

52 Min.
Verfügbar von 13.01.2018 bis 20.01.2018

Wir gehen und stehen täglich in ihnen. Viermal im Leben umrunden wir in ihnen den Erdball: in unseren Schuhen. Sie erzählen viel von Menschen. Und ihre Macher erst recht. Die Dokumentation porträtiert sechs namhafte Schuhmacher und deren Handwerk: Manolo Blahnik, John Hunter Lobb, Heinrich Staudinger, Nicolas Maistriaux, Diego Rossetti und Gabriele Gmeiner.

Sechs Schuhmacher und viele unterschiedliche Geschichten – die höchst unterschiedlichen Sichtweisen der einzelnen Designer und Handwerker ergeben im Film ein komplexes Bild des Berufs, des Handwerks, der einzelnen Charaktere und führen darüber hinaus auch zu allgemeinen philosophischen Betrachtungen über diese zwei Dinge, die wir täglich an unseren Füßen tragen.
Der Star des Schuhdesigns, Manolo Blahnik, erzählt von der Inspiration und Ausstrahlung seiner Kreationen. Männerschuhe findet er todlangweilig. Ausschließlich Frauen sind seine Klientel. Und sie sind verrückt nach seinen Modellen, denn immer wieder gelingt es ihm, einen neuen Hype auszulösen. Manolos Schuhe haben den Ruf, eine dermaßen gute Passform zu haben, dass die Trägerinnen zu schweben scheinen. Der Zauber seiner High Heels lockt in ein Reich der grenzenlosen Fantasie. Dabei verdankt er seine Karriere als Starschuster einem Zufall. Und warum er weltweit so erfolgreich ist, versteht er überhaupt nicht ...
„Men’s only“: John Hunter Lobb in London ist die erste Adresse für den eleganten Mann. Zu seinen Kunden zählen die britischen Royals ebenso wie die männliche Prominenz des Showbusiness. Dabei hat alles ganz anders begonnen. John Lobbs Urgroßvaters, der Firmengründer, hatte im 19. Jahrhundert als Brite in Australien vergeblich nach Gold gesucht. Sein mangelndes Glück als Goldgräber brachte ihn auf die großartige Idee, für die anderen Goldgräber Stiefel herzustellen. Das Besondere daran: Die Stiefel hatten hohle Absätze zum Verstecken des geschürften Goldes. Ein hohler Absatz als Basis für jahrhundertelangen Erfolg ...
Aufgrund der heutigen Vielfalt von Formen und Arten von Schuhen benutzen wir Schuhe wie ein Medium, wie eine Sprache. Mit diesem Ausdrucksmittel lässt sich der Einzelne einer Gruppe zuordnen oder aber auch abgrenzen. „Schuhe haben einen wichtigen Anteil an Kommunikation“, weiß der Geschäftsführer der „Waldviertler“-Werkstatt Heinrich Staudinger aus Erfahrung. Seine Produkte „pfeifen sozusagen auf Mode“ und erfreuen sich trotzdem großen Absatzes. Der Erfolg wurde ihm aber erst so richtig bewusst, als er bei einer Demonstration in Wien plötzlich entdeckte, dass die Hälfte der Demonstranten seine Schuhe trugen. Eine politische Botschaft kann man also auch an den Füßen tragen ...
Für die Tänzerinnen des Moulin Rouge sind ihre Can-Can-Stiefeletten das Werkzeug, mit dem sie ins 20. Jahrhundert tanzten – für den männlichen Zuschauer sind sie ein wichtiges Accessoire der Erotik. Nicolas Maistriaux ist jener Mann, der für das Design, die Fertigung und die permanente Reparatur des Schuhwerks der Tänzerinnen verantwortlich ist. Seine Anekdoten erzählen von männlichen Wunschvorstellungen und vom Verschleiß des Materials. Denn ein Tänzerinnenstiefelchen hält – aufgrund der Beanspruchung – nicht besonders lang. Doch: The shoe must go on ...
Der Mailänder Designer Diego Rossetti ist bei beiden Geschlechtern ein Garant für italienische Eleganz. Doch die wenigsten Kunden und Kundinnen wissen, wie die berühmten Rossetti-Schuhe hergestellt werden. Im Gegensatz zu anderen Meistern seiner Zunft setzt Rossetti voll und ganz auf den Einsatz von Hightech. Freimütig erzählt er: Das Design entsteht mit heftiger Computerunterstützung, die Fertigung überlässt er zum großen Teil computergesteuerten Maschinen.
Das genaue Gegenteil davon: Die Vorarlberger Schuhmacherin Gabriele Gmeiner mit ihrer Werkstatt in Venedig sieht die Kunst des Schuhhandwerks besonders im Schnitzen der Leisten. Sie wird zur Bildhauerin der Füße ihrer Kunden. Der leise Meeresrhythmus der Lagunenstadt scheint ihr zur Ausübung ihres Handwerks besonders geeignet.

Besetzung und Stab

Regie :

Christian Riehs

Land :

Österreich
Frankreich

Jahr :

2011

Herkunft :

ARTE
ORF