Die Familie Yatzkan

75 Min.
Verfügbar von 15.01.2018 bis 23.01.2018

Anna-Célia Kendall-Yatzkans Reise zurück in ihre eigene Familiengeschichte beginnt mit einem Schriftstück, vergraben im Nachlass ihrer verstorbenen Mutter, die Malerin war. Ihr Großvater Schmuel Yakov Yatzkan war ein Pionier der jiddischen populären Presse. Eine sehr persönliche Spurensuche, bei der die Filmemacherin auch die Vergangenheit loslassen kann.

Anna-Célia Kendall-Yatzkans Mutter, Tiya Yatzkan, war Malerin und hinterließ nach ihrem Tod Selbstporträts, Gemälde, unzählige Zettel, Briefe, Notizen und ein altes Klavier. Die Jüdin verließ Polen im Jahr 1938 und flüchtete gerade noch rechtzeitig nach Paris. Für den Dokumentarfilm beginnt die Filmemacherin, im Nachlass ihrer Mutter zu stöbern: Aber wie soll man seine Wurzeln finden, wenn man nicht weiß, wo man sie suchen soll? Und wohin mit den ganzen Hinterlassenschaften wie dem alten Klavier?
Ihre Reise in die eigene Vergangenheit beginnt mit einem unscheinbaren Zettel, den sie in einer alten Schachtel findet. Sie führt zur Geschichte ihres Großvaters Schmuel Yakov Yatzkan, den sie nie kennengelernt hat. Er soll im Jahr 1908 in Warschau die erste jiddische Tageszeitung „Haynt“ gegründet haben, ein Vorzeigeblatt der einst blühenden jiddischen Kultur. In Warschau hat sich die Zeitung nie vom ersten Weltkrieg erholt, und 1920 fühlt er sich gezwungen die Leitung abzugeben. 1926 gründet er in Paris die Tageszeitung „Parizer Haynt“, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1936 arbeitet. Er bietet den Einwanderern, die durch Hunger und Pogrome vertrieben wurden, Orientierung. Anna-Célia Kendall-Yatzkan kann es kaum glauben, dass ihr Großvater ein berühmter Pionier der jiddischen Presse war. Sie folgt seinen Spuren, vom litauischen Jiddischland des 19. Jahrhunderts bis nach Paris.
Die Chronik ihrer Familie erzählt von den Wunden der Geschichte, davon, wie eine Familie durch die Schoah zerrissen wurde. Der Dokumentarfilm kittet die Brüche in der Familiengeschichte und sucht nach Versöhnung. Außerdem beleuchtet er nicht ohne Humor ein ausgelöschtes Stück europäische Geschichte. Schließlich weiß die Filmemacherin am Ende ihrer Identitätsfindung sogar eine Antwort auf die scheinbar banale Frage, was sie mit dem alten Klavier anfangen soll, die Ausgangspunkt ihrer persönlichen Recherchen war. Nun kann sie sich endlich vom umfangreichen Nachlass ihrer Mutter trennen.

Besetzung und Stab

Regie :

Anna-Célia Kendall-Yatzkan

Land :

Frankreich

Jahr :

2012

Herkunft :

ARTE F