ARTE ReportageIran: Wem die US-Sanktionen schaden

53 Min.
Verfügbar vom 24/01/2020 bis 24/02/2020

Iran: Kaum ein Unternehmer aus dem Ausland will über die Folgen der neuen US-Sanktionen im Iran offen reden. ARTE spricht mit Unternehmer Alireza Rahimizadeh, den die Sanktionen hart treffen. / Ukraine: Die Star-Dompteure Julia und Nikolai Kotzirev, Helden des Staatszirkus der alten Sowjetunion, fühlen sich von dem neuen Verbot der Dressur wilder Tiere um ihr Lebenswerk betrogen.

(1): Iran: Wem die US-Sanktionen schaden
Kaum ein Unternehmer aus dem Ausland will über die Folgen der neuen US-Sanktionen im Iran offen reden.
Die neuen US-Sanktionen von 2018 haben den Iran hart getroffen. Wer darüber mit betroffenen Unternehmen sprechen will, der stößt auf eine Mauer des Schweigens. Nach vielen Absagen hatte nur einer den Mut zu reden: Alireza Rahimizadeh, ein deutsch-iranischer Unternehmer. Alireza handelte vor kurzen noch mit Straßenbaumaschinen aus Deutschland. Doch seit den neuen US-Sanktionen liefert die deutsche Seite keine Ersatzteile mehr. Er kann deshalb seine Gewährleistungspflichten nicht mehr erfüllen. Fast 50 Angestellte hatte die Firma einmal, heute sind es nur noch 15. Alireza muss seine Firma in den nächsten Monaten wohl schließen.
Seine wichtigste Angestellte Leila will so bald wie möglich nach Deutschland auswandern, so wie viele junge und gutausgebildeten Iraner, angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 30 Prozent und einer Inflation im Dezember von über 30 Prozent. Die Stimmung in Iran wird immer aufgeheizter: Im November kam es zu den größten Protesten seit der Revolution. Nach sechs Tagen hatte die Miliz der Revolutionsgarde die Revolte niedergeschlagen. Laut Amnesty International wurden über 300 Menschen getötet und tausende verhaftet. Im Februar wählen die Iraner ein neues Parlament. Wie wird die Wut im Land das Wahlergebnis beeinflussen?
(2): Ukraine: Auftrittsverbot für wilde Zirkustiere
Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz: Wildtiere dürfen in der Ukraine dieses Jahr nicht mehr in die Manege.
Die Star-Dompteure Julia und Nikolai Kotzirev, Helden des Staatszirkus der alten Sowjetunion, bekannt in Manegen auf der ganzen Welt, fühlen sich von dem neuen Verbot der Dressur wilder Tiere um ihr Lebenswerk betrogen. Bereits 1919 erklärte Lenin den Zirkus wie das Ballett, das Kino und die Oper zur staatlich geförderten Kunst. Im Dienst der kommunistischen Lehre sollte der Zirkus dazu beitragen, die ethnische, sprachlichen und kulturellen Unterschiede im der damaligen Sowjetunion, der UdSSR, zu überwinden.
Heute ist die UdSSR Vergangenheit, die unabhängige Ukraine hat dem sowjetischen Erbfolger Russland schon lange den Rücken gekehrt und sich in Richtung Europa orientiert. Inspiriert von Tierschützern in der EU, haben nun ukrainische Aktivisten die Regierung der Ukraine davon überzeugen können, die Dressur von wilden Tieren in den Zirkussen zu verbieten. Julia und Nikolai scheinen aber zu den Dompteuren zu zählen, die ihre großen Katzen nicht brutal behandelt haben, um ihnen Kunststücke in der Manege beizubringen. Sie sehen nur noch einen Ausweg: Nach Russland auszuwandern, gemeinsam mit ihrem alten Löwen und den Tigern.  


  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2020
  • Herkunft :
    • ARTE