ARTE ReportageHaiti: Vor dem totalen Zusammenbruch

53 Min.
Verfügbar vom 11/01/2020 bis 10/02/2020
(1) Zehn Jahre nach dem Erdbeben und trotz enormer internationaler Spenden taumelt Haiti immer tiefer in die Krise. Über 300.000 Tote, 1,5 Millionen Obdachlose. Der Wiederaufbau ging und geht nur sehr schleppend voran, das Volk hungert nach wie vor. (2) Was wurde aus den Waisenkindern in Port-au-Prince, von denen ARTE nach dem Erdbeben 2010 berichtete?

(1): Haiti: Vor dem totalen Zusammenbruch
Zehn Jahre nach dem Erdbeben und trotz enormer internationaler Spenden taumelt Haiti immer tiefer in die Krise.
Als am Dienstag, 12.01.2010, um 16.35 Uhr, ein Erdbeben die halbe Hauptstadt Port-au-Prince zertrümmerte, starben über 300.000 Menschen, hunderttausende wurden verletzt und 1,5 Millionen wurden obdachlos. Die Solidarität der Weltgemeinschaft unmittelbar danach war beispiellos: Sean Penn, Bill Clinton und Bono zählten zu den Prominenten, die zu Spenden aufriefen, acht Milliarden Dollar wurden überwiesen – doch das hat anscheinend nicht geholfen.
Der Wiederaufbau ging und geht nur sehr schleppend voran, das Volk hungert nach wie vor – hinzu kamen die Cholera, mehrere Wirbelstürme und politische Krisen. 20 Kilometer vor der Hauptstadt leben noch immer zehntausende Frauen, Männer und Kinder, die vor zehn Jahren ihr Heim verloren, in einem selbst erbauten Provisorium, das eigentlich nur als allererste Selbsthilfe gedacht war. Doch weder die Regierung noch die Hilfsorganisationen interessieren sich für ihr Schicksal. Sie leben noch immer von der Hand in den Mund, und ihre Wut auf die Unfähigkeit ihrer Politiker wird jeden Tag größer.
(2): Haiti: 10 Jahre nach dem Erdbeben
Was wurde aus den Waisenkindern? Zehn Jahre nach dem Erdbeben kehrten ARTE-Reporter zurück nach Haiti.
Über 300.000 Tote, 1,5 Millionen Obdachlose – als im Januar 2010 auf Haiti die Erde bebte, gehörten ARTE-Reporter mit zu den ersten, die vor Ort waren und über die Opfer und die Retter berichteten. In der Hauptstadt Port-au-Prince drehten sie im Waisenhaus „Notre-Dame de la Nativité“; dort waren damals 56 Kinder und eine Erzieherin in den Trümmern gestorben, einige Kinder überlebten schwer verletzt, die Überlebenden campierten gemeinsam mit ihrer Direktorin Evelyne Louis Jacques vor ihrem Heim, das zur Hälfte von den Erdstößen zerstört worden war.  
Heute ist das Waisenhaus wieder aufgebaut und die ARTE-Reporter trafen die Überlebenden von damals wieder. Ihre Lage hat sich nicht nachhaltig gebessert, vor allem deshalb, weil Haiti heute kurz vor dem Kollaps steht: Kriminelle Banden liefern sich täglich Gefechte, die Mehrheit der Haitianer ist nach wie vor bitter arm, die Politiker wirken lediglich hilflos bis korrupt, die Insel in der Karibik steht augenscheinlich kurz vor einem Bürgerkrieg. Im Waisenhaus sind neue Kinder angekommen, darunter auch Mädchen und Jungen, deren Eltern vor verirrten Schüssen in den Straßen getötet wurden. Zehn Jahre nach dem Erdbeben hat sich Haiti, trotz aller Spenden und Hilfslieferungen, niemals richtig aufrappeln können.


  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2020
  • Herkunft :
    • ARTE