ARTE ReportageÄgypten: Tugendwächter gegen Bauchtänzerinnen

53 Min.

Ägypten: Das Regime unter General Sisi beschneidet die Freizügigkeit der Bauchtänzerinnen in Kairo. Waren sie früher als Künstlerinnen hoch angesehen, gelten Bauchtänzerinnen den puritanischen Machthabern als nicht tugendhaft, arm und ungebildet. / In China verschwanden auf mysteriöse Weise dutzende reiche Unternehmer – es sieht nach einer Säuberungswelle aus.

(1): Ägypten: Tugendwächter gegen Bauchtänzerinnen
Die religiösen Puritaner des Regimes unter General Sisi beschneiden die Freizügigkeit der Bauchtänzerinnen in Kairo.
Beinahe wie die Pyramiden sind die Bauchtänzerinnen ein integraler Teil der Kultur Ägyptens: Manche vermuten, dass sie bereits am Hof der Pharaonen auftraten – im 19. Jahrhundert belebten die Orientalisten diese alte Tradition wieder und um 1940 war der Bauchtanz in Kairo hoch populär: Damals war die Hauptstadt Ägyptens ein Ort der Freidenker, der Künste und des Vergnügens.   
Allerdings weht heute unter dem Regime von Generals Sisi ein neuer eisiger Wind gegen die Tänzerinnen mit dem nackten Bauch: Sie müssen ihre Kurven züchtig verhüllen, um den neuen religiösen Anstand zu wahren. Ihr Image in der Öffentlichkeit wird von den neuen Puritanern in den Schmutz gezogen. Waren sie früher als Künstlerinnen hoch angesehen, gelten Bauchtänzerinnen den Machthabern von heute als nicht tugendhaft, arm und ungebildet. So trauen sich immer weniger Frauen, diesen Beruf zu ergreifen, denn selbst die einst größten Stars ihres Gewerbes leiden unter der Zensur. Auch deshalb schließen in Kairo immer mehr Nachtlokale. Allerdings erlauben die Tugendwächter wenigstens den Armen in ihren Vierteln, traditionelle Bauchtänze bei Hochzeiten aufzuführen - einfach, um den sozialen Frieden zu wahren.
(2): China: Wohin verschwinden die Milliardäre?
In China verschwanden auf mysteriöse Weise dutzende reiche Unternehmer – es sieht nach einer Säuberungswelle aus.
In China ist das Thema tabu, allerdings berichtet die westliche Presse seit gut zwei Jahren über das Verschwinden von Millionären und Milliardären, den Ikonen des Wachstums in der Volksrepublik – mindestens Dutzende sollen es sein, nach Einschätzung einiger NGOs, möglicherweise sogar bis zu 400. Unsere Reporter trafen den chinesischen Unternehmer Hu Kexin. Er hatten sein Vermögen mit Produkten für Haushalt und Landwirtschaft gemacht und wollte nun Baguette und Croissant nach China importieren. Tausende Hektar Land kaufte er in Frankreich, um Getreide für Mehl anzubauen, er stellte französische Bäcker ein, die ihren chinesischen Kollegen das Backen à la française beibringen sollten. Doch dann war Herr Hu von einem auf den anderen Tag nicht mehr zu sprechen: Spurlos verschwunden von der Bildfläche, in Frankreich und in China …
In New York lebt ein anderer chinesischer Milliardär, Guo Wangui, der sich uns als ein „Überlebender“ präsentiert. Offiziell wird er in China wegen Korruption gesucht. In seinem 40-Millionen-Dollar-Appartement mit Blick über den Central Park erzählte er unseren Reportern, dass nahe Familienangehörige von ihm in China getötet wurden und er bis heute verfolgt wird, von den Häschern der Regierung. Er sagt, Chinas KP habe die Unternehmer jahrelang gewähren lassen, um die Wirtschaft aufzubauen, und nun wolle sie ebendiese Unternehmer wieder loswerden, weil sie Angst vor ihrem Einfluss hätte. Über die sozialen Medien versucht er, seine reichen Kolleginnen und Kollegen in China zu warnen.


  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2019
  • Herkunft :
    • ARTE