ARTE ReportageIsrael: Die armen Alten

52 Min.
Verfügbar vom 20/08/2019 bis 18/09/2019

Diese Woche: (1) Israel - Die armen Alten. Zehntausende israelische Rentner müssen weiter arbeiten, weil ihre Rente nicht ausreicht. Die Jugend lehnt sich gegen diese Ungerechtigkeit auf. (2) Kap Verde: Sand stehlen zum Überleben. Vor allem alleinerziehende Mütter schaufeln Vulkansand vom Strand, um ihn an Bauunternehmen zu verkaufen und ihre Familien zu ernähren.

(1): Israel: Die armen Alten
Zehntausende israelische Rentner müssen weiter arbeiten, weil ihre Rente nicht reicht.
Einer von fünf Israelis im Ruhestand lebt unterhalb der Armutsgrenze. Viele müssen Zeitungen austragen, Taxi fahren oder als Wächter arbeiten, um ihre knappe Rente aufzustocken. Denn obwohl die Wirtschaft in Israel boomt, ist durch die Liberalisierung der Sozialpolitik seit Anfang der 2000er Jahre der Graben zwischen Arm und Reich tiefer geworden. Bei der Gründung Israels war die Idee der sozialen Gerechtigkeit ein Grundpfeiler des neuen Staates, vor allem in den Kibbuz hat sich dieses Ideal bis heute gehalten. Obwohl viele dieser landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften heute privatisiert sind, leben die Rentner dort, von der Gemeinschaft behütet, noch immer in abgesicherten finanziellen Verhältnissen. Viele junge Leute haben die neue Misere in den Städten erkannt: Sie kämpfen mit verschiedenen Strategien für die armen Alten und beleben auf diese Weise das soziale Erbe der Gründer Israels.
(2): Cabo Verde: Sand stehlen zum Überleben
Sie schaufeln den Sand vom Strand, um ihre Familien zu ernähren. 
Mit Spaten und Eimer tragen Frauen an sechs Tagen in der Woche zweimal täglich bei Ebbe den schwarzen Vulkansand ab, den die Flut gerade wieder neu hereingespült hat. Dieser Sand ist die einzige Einnahmequelle für viele alleinerziehende Frauen. Sie verkaufen ihn für einen Hungerlohn an die Bauunternehmer des Inselstaats. Er liegt mit einer Länge von 700 Kilometern vor der Küste Senegals, ein Viertel seiner Einwohner muss von weniger als umgerechnet zwei Euro am Tag leben.
Der Raubbau hat viele Strände auf Cabo Verde zerstört, mit bitteren Folgen für Natur und Landwirtschaft: In den Uferzonen, in denen nur noch große Kiesel liegen, siedeln weniger Mikroorganismen, das beeinträchtigt die Kinderstube der Fische; das Meerwasser dringt ohne den dämmenden Sand tief ein ins Landesinnere und versalzt das Grundwasser für die Landwirtschaft. Deshalb haben die Behörden den Raubbau am Strand seit 2010 eigentlich streng verboten. Aber die Frauen finden in ihrer großen Not immer einen Weg, den Kontrollen durch Polizei und Armee zu entkommen, unterstützt von skrupellosen Bauunternehmern, die ihnen den Sand für niedrigste Preise sehr gerne abkaufen.   


Land :
Frankreich
Jahr :
2019
Herkunft :
ARTE