Die Kandidaten: "The Crocodile" gegen den aufstrebenden Pfarrer
In den ersten freien Wahlen der Ära nach Mugabe bewerben sich 23 Kandidaten für das Präsidentenamt. Gewählt werden außerdem das nationale sowie die kommunalen Parlamente. Für eine mögliche zweite Runde ist der 8. September vorgesehen. Die Millionen Simbabwer, die vor dem Mugabe-Regime und vor der Wirtschaftskrise geflüchtet sind, müssen sich auf simbabwischen Boden begeben, um ihre Stimme abzugeben. Zum ersten Mal seit 16 Jahren werden die Wahlen von Wahlbeobachtern aus dem Commonwealth, der Afrikanischen Union und der EU begleitet.
Den Wahlen sind ernsthafte Zweifel vorausgegangen: Die Vereinten Nationen hatten im Vorfeld der Wahlen Bedenken über mutmaßliche Einschüchterungen und Gewaltandrohungen geäußert. Oppositionsführer Nelson Chamisa hatte die Wahlkommission scharf kritisiert und vor Wahlbetrug gewarnt. Simbabwes Wahlkommission ZEC sei "voreingenommen" und habe "das Vertrauen des Volkes verloren".
Emmerson Mnangagwa (Zanu-PF)
Als Favorit geht der amtierende Präsident Emmerson Mnangagwa ins Rennen. Der 75-jährige Mnangagwa, genannt "The Crocodile", ist nach Mugabes Entmachtung an die Staatsspitze getreten. Er entstammt Mugabes Machtapparat und ist wie sein Vorgänger ein ehemaliger Unabhängigkeitskämpfer. Als Chef von Simbabwes Geheimdienst war Mnangagwa der verlängerte Arm des Diktators Mugabe.
Als solcher war er mitverantwortlich für verschiedene unrühmliche Ereignisse: Die Repression gegen die Opposition in der Provinz Matabeland im Jahr 1983, die mindestens 20.000 Menschenleben gefordert hat, die Intervention der simbabwischen Streitkräfte in der Demokratischen Republik Kongo 1998, finanziert durch die Plünderei von Diamanten und natürlichen Bodenschätzen. Und die Unruhen mit Hunderten von Toten während den Präsidentschaftswahlen 2008, die zur Niederlage von Mugabes Rivalen, Morgan Tsvangirai, geführt haben.
Nelson Chamisa (Movement for democratic change, MDC)
Nelson Chamisa ist seit Februar 2018 und dem Tod von Morgan Tsvangirai Simbabwes Oppositionsführer. Er ist Präsidentschaftskandidat einer Allianz aus MDC (Movement for democratic change) und mehreren kleinen Parteien. Doch sein Aufstieg ist umstritten, seine Partei gespalten. Der 40-Jährige ist alles andere als ein Politik-Neuling. Vor seinem kometenhaften Aufstieg war er im Jahr 1999 als engagierter Student Mitbegründer der MDC.
Der charismatische Chamisa verfügt über ein feines taktisches Gespür und ist ein außergewöhnlicher Kommunikator. Seine Überzeugungskraft schöpft er aus seiner jahrelangen Tätigkeit als Studenten-Gewerkschafter sowie aus seiner beruflichen Tätigkeit als Pfarrer in der Pfingstbewegung. Mit seinen Reden, die er gezielt in den sozialen Netzwerken verbreitet ((#GodIsInIt, #GenerationalConsensus), findet er bei zahlreichen jungen Simbabwern ein breites Publikum.
Chamisa hat zwar einige Jahre in der Regierungskoalition mitgewirkt, doch noch profitiert er von der Aura der historischen Alternative zum Mugabe-Regime. Der Pfarrer wurde selbst Opfer der Diktatur: 2007 wurde ihm nach einem Übergriff durch den Sicherheitsdienst ein Schädelbruch diagnostiziert. Als Präsident seines Landes möchte Chamisa Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption durchsetzen und die am Boden liegende Wirtschaft ankurbeln.
Jonas Dunkel, Marianne Skorpis