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EU-Agrarpolitik: Lachen mit der GAP?

Seit einigen Monaten spaltet eine Streitfrage unsere Redaktion: Kann man über so ein trockenes Thema wie die GAP, die Gemeinsame Agrarpolitik der EU, lachen? In einem Akt der Rebellion gegen unseren Chefredakteur, der das Gegenteil behauptet, habe ich beschlossen, ihm das schier Unmögliche zu beweisen.

Meine Suche beginnt, wie so oft, bei der Suchmaschine meines Vertrauens. Das Stichwort „GAP“ ergibt 432 Millionen Ergebnisse, doch auf der ersten Seite geht es nur ausführlich um eine Modemarke gleichen Namens, um eine südostfranzösische Kleinstadt und schließlich die Gesellschaft für Analytische Philosophie. Das ist weder besonders lustig (wobei das auch eine echte Herausforderung wäre), noch zielführend. Google-Optimierung? Fehlanzeige.

Weiß eigentlich immer alles: unser Chefredakteur Jean-Michel

Also ab ins Wiki-Land. Das Online-Lexikon schlägt mir neben der binären Halbleiterverbindung GAlliumPhosphid unter anderem auch die Großdeutsche Arbeiterpartei, die Grüne Alternative Partei von Luxemburg und die GasAnlagenPrüfung in der KFZ-Technik vor – also alles in allem ganz andere Produkte, als das, was ich eigentlich suche.

Doch halt! Da zwischen den Zeilen ist das Wortungetüm, von dem ich mir erhoffe, dass es schon bald meine Lachnerven strapaziert: die Gemeinsame Agrarpolitik. Dabei handelt es sich um einen Politikbereich der Europäischen Union, der 42% des EU-Budgets ausmacht. Steuerzahler unter euch finden das wahrscheinlich noch nicht übermäßig lustig. Unter der Zwischenüberschrift „kritische Punkte“ prangt ein rotes Ausrufezeichen: „Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten.“ Die Anti-Agrarlobby hat also Wikipedia für sich entdeckt.

Bevor ich weiter nach lustigen Anekdoten rund um die GAP suche, muss ich noch ein bisschen genauer wissen, worum es eigentlich geht. Ein Clip vom Bundesamt für Verbrauchung, nein, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, auf das ich bei einer Video-Suche stoße, bringt Klarheit – aber auch nur, weil ich mich zu Ausdauer zwinge. Sieben Minuten sind für mich als Angehöriger der Generation Y jedenfalls eine Zumutung.

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Vielleicht, so mein nächster waghalsiger Gedanke, kommt auf meiner Suche nach GAP-Spaß ja Schützenhilfe von unerwarteter Seite: von der Europäischen Kommission selbst! Sieht ganz so aus. Auf der offiziellen GAP-Seite erfahre ich in vielversprechendem 90er-Jahre-Kindergeburtstagseinladungs-Layout, dass dieses Jahr der 50. Jahrestag der GAP gefeiert wird. Bizarre Girlanden säumen die Seite, virtuelle Schafe überqueren den Bildschirm. Na dann, alles Gute, liebe GAP! Du bist jetzt schon ganz erwachsen. Aber warum traust du dich nicht, das an die große Suchergebnis-Glocke bei Google zu hängen?

Für unfreiwillige Komik sorgt „Bauern-Schreck“ (sueddeutsche.de) und Geburtstagsclown Dacian Cioloş, seines Zeichens EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Ich kann mich kaum auf sein Referat über die Erfolge der GAP konzentrieren, da ich mich zu sehr über seinen breiten rumänischen Akzent freue. Und dann sind da ja noch die eben schon erwähnten Schäfchen und ein nimmermüdes Windrad, die meine Blicke abschweifen lassen.

Ich klicke auf das zweite Video und finde mich in einem Werbespot für die GAP wieder, der auch im Frühstücksfernsehen für Kelloggs oder Danone laufen könnte. Das Resümee (wenn ich richtig verstehe): Dank der GAP können wir über Mohnfelder fliegen, Angorapullis tragen, in Seen springen, Milch ins Glas gießen, Gebäck mit Frischhaltefolie überziehen, im OP-Saal Mullbinden auspacken, an Aprikosen schnuppern, Tomaten zum Mozzarella drapieren, Kindern das Laufen beibringen und vieles mehr.

Das ist ja alles sehr interessant. Aber lachen kann ich noch nicht. Höchste Zeit, auf Google zurückzukehren. Ich versehe den Suchbegriff mit einschlägigen Attributen wie „lustig“, „lol“ und „fun“, aber alles, was ich finde ist eine gar nicht komische Rede eines NPD-Politikers vor dem Sächsischen Landtag. Ich werde verrückt. Muss ich wirklich meinem Chefredakteur klein beigeben?

Kommt immer mit dem Traktor zur Arbeit: mein Kollege Hugo

Meine Rettung kommt von links. Dort sitzt mein Kollege Hugo (sprich: Ügooo), der auf die glorreiche Idee gekommen ist, den Titel mal auf Englisch zu übersetzen: CAP. Immerhin sind die Briten ja für ihren schwarzen Humor bekannt. Und tatsächlich – es gibt Menschen auf dieser Welt, die einen ganzen Blog mit satirischen Artikeln rund um die GAP füllen. Unter den vielen kleinen Perlen, etwa einem Namen-Generator zur Umbenennung der GAP, entdecke ich eine grandiose Jamie-Oliver-Parodie: Ein Koch namens Jamie Oliveoil erklärt darin sein Rezept für eine GAP-Reform.

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Ganz ehrlich, ich habe gut gelacht und auch mein Chefredakteur konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Na also, geht doch! Man kann lachen mit der GAP. Ein bisschen zumindest. Da habe ich die Behauptung unseres Chefredakteurs doch glatt ganz albern pariert. Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war.

Ernsthaftere Beiträge zur GAP:

Kategorien: Neue Bauern

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