Graham Hughes, Nachhaltiges Reisen, Tourist go home, Weltreise

EINMAL UM DIE WELT – OHNE ZU FLIEGEN

Fast vier Jahre lang bereiste der Brite Graham Hughes alle 193 UN-Mitgliedstaaten, außerdem Palästina, den Vatikan und Taiwan – ohne zu fliegen. Ein Plädoyer für umweltfreundliches Reisen.

Hughes in Papua-Neuguinea @Graham Hughes

Die Frage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet: „Warum hast du jedes Land der Welt bereist, ohne zu fliegen?“ Ganz einfach: Ich wollte zeigen, dass es möglich ist. Dass es möglich ist, dabei einen Weltrekord aufzustellen. Dass man auch mit einem kleinen Budget sehr weit kommt. Ich wollte zeigen, dass die Welt nicht so gefährlich ist, wie man denkt.

Implizit schwang bei der Reise auch immer das Thema Umweltschutz mit. Indem ich nicht flog und vor allem öffentliche Verkehrsmittel benutzte, war mein ökologischer Fußabdruck für die 200.000-Kilometer-Reise kleiner, als wenn ich in der gleichen Zeit zu Hause geblieben und jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit gefahren wäre. Flüge in kleine Länder wie Tuvalu und Kiribati im Pazifischen Ozean hätten eine Kernbotschaft meines Abenteuers untergraben: dass diese Welt schön ist und unseren Schutz benötigt. Und die Fortbewegung mit Zügen, Bussen oder Segelbooten bedeutete auch, dass es weniger um die Ziele ging als um die Reise selbst. Die Bodenperspektive ermöglicht es, die Welt gleichzeitig als unglaublich weit und unglaublich winzig zu erfahren.

Der hellste Sternenhimmel

Eine Reise, die mit dem Flugzeug eine Stunde dauert, kann mit einem Segelboot eine Woche dauern – aber wäre ich geflogen, hätte ich auf dem Weg nicht mit Delfinen, Walen und Meeresschildkröten Bekanntschaft gemacht. Wäre ich geflogen, wäre ich nie Teil eines Bitwi-Stammes in Gabun geworden, hätte nie mit einer indischen Familie im Zug nach Kerala das Essen geteilt. Wäre ich von Kathmandu nach Peking geflogen, hätte ich sieben Tage in Tibet verpasst. Und ich hätte nie den Ausbruch des Manam-Vulkans von einer Fähre vor der Küste von Papua-Neuguinea beobachtet – bei einem der hellsten Sternenhimmel, die ich jemals gesehen habe.

Moderne Flughäfen und Hotels spiegeln nicht die Seele eines Ortes wider – die Natur und die Menschen machen ein Land aus. Durch meine Art der Fortbewegung habe ich Stunden oder gar Tage mit den unterschiedlichsten Menschen aller Lebensbereiche verbracht. Oft war ich der einzige Europäer. Dadurch habe ich mehr über diese verrückte Welt gelernt, als wenn ich jedes Buch und jede Webseite durchforstet hätte. Niemand weiß, was uns am Ziel erwartet, also lasst uns den Weg genießen.

Zur Person: Graham Hughes

Graham Hughes ist ein britischer ­Abenteurer, Autor und Filmemacher. Von 2009 bis 2012 bereiste er alle 193 UN-Mitgliedstaaten, außerdem Palästina, den Vatikan und Taiwan – ohne zu fliegen.

Tourist Go Home!

Gesellschaftsdoku

Tourismusphobie – die Angst, dass der Massentourismus ihre Städte zerstört, verbreitet sich unter den Bewohnern von Venedig, Barcelona und Dubrovnik. Europas Städtetourismus boomt wie nie zuvor, generiert 400 Milliarden Euro pro Jahr. Angeheizt durch aggressives Preisdumping, Billigflüge und den Trend zur Sharing Economy, die weltweit günstiges Wohnen ermöglicht. Doch viele Städte wie Venedig, Barcelona und Dubrovnik sind dem Ansturm nicht mehr gewachsen, kämpfen mit Verkehrschaos, Müllbergen, steigenden Mieten und leeren Stadtkassen. Die Dokumentation verfolgt diese Entwicklungen und forscht nach, wohin die Gelder aus dem Massentourismus fließen und wer am meisten in dem Milliardengeschäft verdient. Europas Sehnsuchtsorte stehen vor dem Kollaps – sind sie noch zu retten?

Dienstag, 18. April um 20.15 Uhr

Kategorien: April 2017