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ATHOS-MÖNCH: „ICH VERMISSE HIER NICHTS“

Der Heilige Berg Athos ist eine autonome Mönchsrepublik in Griechenland. Ausschließlich Männer dürfen ihn besuchen. Vater Epifanios lebt seit vielen Jahren in einem der Klöster auf Athos. Ein Gespräch über das Leben als Mönch.

Mönch im Weinberg auf dem Berg Athos

Vater Epifanios bei der Arbeit im Weinberg © VIDICOM Media/Peter Bardehle

ARTE Magazin: Vater Epifanios, wie sieht ein typischer Tag eines Athos-Mönchs aus?

Vater Epifanios: Ich stehe um vier oder fünf Uhr auf und gehe in die Kirche. Danach gibt es Frühstück und dann beginnt die Arbeit im Kloster. Um die Mittagszeit herum esse ich zu Mittag, danach geht es wieder in die Kirche. Der Tag eines Mönchs ist grob in drei mal acht Stunden geteilt, die zum Beten, Arbeiten und Ausruhen gedacht sind. Darin enthalten ist auch das kontinuierliche Lesen in der Bibel.

Wann sind Sie nach Athos gekommen? Können Sie sich an den ersten Eindruck erinnern, den Sie hatten?

Das erste Mal besuchte ich den Berg Athos im August 1973, da war ich 17 Jahre alt. Als ich ankam, machte sich sofort ein komisches Gefühl in meinem Herzen breit. Es packte meine Seele und ließ sie fliegen wie ein Vogel.

Woher wussten Sie überhaupt vom Berg Athos?

Ich wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kavala in Nordgriechenland auf. Meine Eltern waren Bauern. Doch mein Vater besuchte damals mehrmals den Berg Athos und nahm selbst den Lebensstil der Mönche an.

Haben Sie auf Athos am Anfang etwas vermisst, als Sie sich entschieden, dort zu leben?

Bis heute vermisse ich am Leben außerhalb von Athos nichts, wirklich gar nichts. Seit meinem ersten Besuch auf Athos fühle ich einen Enthusiasmus – zu arbeiten, zu beten und zu singen. Es ist nicht einsam auf Athos. Im Koinobitentum, der Form des klösterlichen Lebens, der ich angehöre, lebt man zusammen mit zwei oder drei anderen Mönchen in einem Zimmer. Ich treffe jeden Tag andere Mönche, um mit ihnen zu reden und zu diskutieren, ich treffe sie in der Kirche oder in unseren Wohnhäusern.

„Es war eine richtige Entscheidung, auf Athos keine Frauen zuzulassen“

Warum haben Sie sich für das Koinobitentum entschieden und nicht etwa für den Asketismus, das Alleinsein?

Das Koinobitentum ist meiner Meinung nach die beste Form des Klosterlebens. Von anderen Mönchen umgegben zu sein hilft mir in meinem Alltag sehr. Es gibt einen Spruch, der besagt: „Wenn jeder jedem hilft, haben wir eine starke Festung“.

Der Weltkirchenrat hat vor einigen Jahren entschieden, auch Frauen den Zugang zum Berg Athos zu gewähren. Aber das Oberhaupt von Athos, Aristos Kasmiroglou, kämpfte gegen diesen Entschluss und bezog sich auf die Autonomie von Athos. Schließlich blieb der Berg für Frauen verboten. Was denken Sie über diese Entscheidung?

Die Entscheidung des Weltkirchenrats wurde über die Köpfe der Athos-Bewohner hinweg getroffen und hat die Tradition des Ortes nicht respektiert. Der Berg Athos ist der heiligen Maria gewidmet, der Mutter Jesu Christi. Alle Mönche leben dort, um die Heilige Mutter Gottes zu ehren und Gott nahe zu sein. Deshalb bedeutet auf Griechisch das Wort Mönch auch „für sich allein“. Die Entscheidung von Herrn Kasmiroglou war deshalb absolut richtig.

Wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt zu einer Frau?

Erst vor zehn Tagen, aber nur am Telefon.

Denken Sie, dass Athos offener für Besucher werden sollte?

Nein, das denke ich nicht, denn schon heute ist die Zahl der Besucher sehr hoch. Ungefähr 200.000 Pilger kommen jedes Jahr nach Athos. Letztes Jahr waren sogar 230.000 Männer hier. Klöster sind Orte der Einkehr und der Arbeit, die Mönche leben hier – es sind keine Museen oder Touristenattraktionen. Alle Besucher sollten das respektieren.

„Ein Mönch muss für seinen Lebensunterhalt sorgen“

Wie oft verlassen Sie Athos?

Ich verlasse Athos recht häufig, bin etwa sehr häufig in Thessaloniki. Ich bin in meinem Leben auch schon viel gereist – nach Osteuropa, nach Israel, Ägypten, Jordanien, in den Libanon und die Türkei.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie außerhalb des Klosters sind?

Es fühlt sich gut an, von Menschen umgeben zu sein und ihnen etwas geben zu können – gerade, wenn es Menschen sind, die viele Probleme in ihrem Leben haben, wie etwa Armut. Gespräche tun in solchen Situationen gut, und ich habe als Mönch oft eine andere Sicht auf die Dinge.

Sie machen auf Athos Ihren eigenen Wein und verkaufen ihn nach außerhalb. Ist so eine Form des Geschäfts vereinbar mit den Prinzipien des Mönchlebens?

Es ist nicht nur kompatibel – ein Mönch ist dazu verpflichtet, für seinen eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Wir machen also keine Geschäfte im eigentlichen Sinne, sondern versuchen, unseren Lebensstil zu pflegen. Mit den Profiten aus dem Weinanbau versorgen wir auch Pilger mit Essen und Unterkunft.

Wird Athos Ihnen manchmal zu eng, zu klein?

Nein, so fühlt es sich für mich nicht an. Unsere Verbindung zu Gott und zu den anderen Mönchen hilft uns, unsere Seelen zu befreien und sich nicht beengt zu fühlen.

Das Interview führte: Karoline Nuckel

Athos

Zweiteiliger Dokumentarfilm
Samstag, 15. April ab 20.15 Uhr

Kategorien: April 2017