„SCHWARZER HUMOR WURDE MIR IN DIE WIEGE GELEGT“

Für „Desaster“ stand Justus von Dohnáhnyi nicht vor, sondern hinter der Kamera. Im Interview spricht er über die Zusammenarbeit mit seinen Freunden, Fotografie und den bitterbösen Humor seiner Filme.

Justus von Dohnányi

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Justus von Dohnányi mit Fotografie ©Stefan Klüter

Arte Magazin: Herr von Dohnányi, „Desaster“ ist nach „Bis zum Ellenbogen“ Ihr zweiter Kinofilm. Was hat Sie damals bewogen, nicht mehr nur vor, sondern auch hinter der Kamera zu arbeiten?

Justus von Dohnányi: Während meiner Zeit im Ensemble des Thalia Theaters in Hamburg hatte ich kaum Freiraum. Mit dem Schritt in die Filmwelt ergab sich die Möglichkeit, endlich an eigenen Stoffen zu arbeiten. Anfangs habe ich das am liebsten mit guten Freunden aus der gemeinsamen Zeit am Theater gemacht.

„Desaster“ wurde in Saint-Tropez gedreht. Eine Stadt nach Ihrem Geschmack?

Bestimmt früher einmal. Heute gibt es dort leider auch viele Menschen, die gut in den Film passen würden: Gierige Vorteilsnehmer aus der ganzen Welt. Die Natur dort ist jedoch immer noch umwerfend. Man kann verstehen, was die Besucher angezogen hat und immer noch begeistert.

Wann und wie haben Sie Ihre Schauspielkollegen Jan Josef Liefers und Stefan Kurt kennengelernt, die ebenfalls in „Desaster“ mitspielen?

Stefan Kurt und ich waren schon vor der Wende Ensemblemitglieder des Thalia Theaters. Jan Josef kam kurz nach der Wende dazu. Wir haben unzählige Vorstellungen zusammen gespielt. Bei den Gastspielen in Europa und den USA gab es auch abseits der Arbeit ausgiebige Feierstunden, in denen wir unseren gemeinsamen Humor getestet haben.

Gibt es schon Ideen oder Pläne für eine erneute Zusammenarbeit?

Ich habe in der Tat zwei neue Ideen, aber momentan arbeite ich an einem anderen Projekt. In der Hoffnung, in Zukunft noch ein bisschen Zeit zu haben, muss man ja nichts überstürzen.

 

„Ulrich Tukur fürchtet sich vor nichts“

In Ihrer Jugend beschäftigten Sie sich intensiv mit Fotografie. Macht dies die Arbeit vor bzw. hinter der Kamera einfacher?

Der Blick durch ein Objektiv ist mir schon lange vertraut. Mir eine bestimmte Aufnahme im Kopf vorzustellen, fällt mir leicht. Ich kann dadurch mit dem Kameramann im Vorfeld besprechen, was ich mir wünsche und verstehe seine technischen Äußerungen in der Regel besser.

Gibt es Regisseure, die Sie bewundern oder als Vorbilder betrachten?

Ich hatte das Glück, mit vielen hervorragenden Regisseuren gearbeitet zu haben. Ich schätze und respektiere auch ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen. Diejenigen, die eine genaue Vorstellung ihrer Arbeit haben, ohne diese diktatorisch durchzusetzen, sind mir die Liebsten. Man sollte für einen Entwicklungsprozess während des Drehs offen bleiben.

Sie haben bereits zwei Folgen der „Tatort“-Reihe gedreht. Mit welchen Gefühlen sind Sie an diese Aufgabe gegangen?

Ich hatte mit Ulrich Tukur einen so erfahrenen, liebenswerten und humorvollen Kollegen, der sich vor keiner noch so wilden Idee fürchtete, dass ich mich gut aufgehoben fühlte. Trotzdem hatte ich durchaus Respekt vor der Aufgabe und habe mich sehr gründlich vorbereitet.

Der schwarze Humor zieht sich durch „Desaster“ und Ihre anderen Filme. Können Sie sagen, woher er stammt?

Der ist mir teilweise in die Wiege gelegt worden, da meine Eltern sehr viel Humor haben. Und den anderen Teil habe ich mir mit Freunden und den Härten des Lebens selbst erarbeitet.

Sind Sie es manchmal leid, immer wieder auf Ihre berühmten Vorfahren angesprochen zu werden?

Ich habe mich dran gewöhnt und freue mich dann immer auf die nächste, für mich spannendere Frage.

Das Interview führte Niklas Wysk


Zur Person: Justus von Dohnányi

Justus von Dohnányi wurde 1960 in Lübeck geboren. Nach seinem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Künste in Hamburg spielte er zunächst am Stadttheater Frankfurt sowie am Thalia Theater in Hamburg. 1999 beginnt er in Film- und Fernsehproduktionen mitzuwirken. Für seine Rolle in „Das Experiment“ wurde er 2001 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. 2006 gab er mit „Bis zum Ellenbogen“ sein Regiedebüt. Sein Großvater war der Widerstands-kämpfer Hans von Dohnányi, ein Weggefährte Dietrich Bonhoeffers.

Desaster

Krimikomödie

16.3. um 21.55 Uhr auf Arte

Kategorien: März 2017