EIN ABEND MIT DEN BARENBOIMS

Mit zwei Konzerten eröffnen Daniel Barenboim und sein Sohn Michael Barenboim den Pierre Boulez Saal in Berlin. Wir trafen die beiden im Vorfeld zu ihrem ersten gemeinsamen Interview.

Porträt von Daniel Barenboim und seinem Sohn Michael Barenboiim vor dunklem Hintergrund

Vater und Sohn: Daniel und Michael Barenboim ©Peter Rigaud

Daniel und Michael Barenboim wirken zunächst wie Kollegen – freundlich im Umgang miteinander, aber professionell distanziert. Einzig die äußerliche Ähnlichkeit und der väterliche Rat, vor dem Fotoshooting doch besser das Hemd in die Hose zu stecken, deuten auf eine familiäre Bindung hin. Am 4. und 5. März stehen Daniel und Michael Barenboim gemeinsam bei den Eröffnungskonzerten des Pierre Boulez Saals in der Barenboim-Said-Akademie in Berlin auf der Bühne. Es ist bei Weitem nicht das erste Mal: Schon häufig ist der 31-jährige Geiger auf Konzerten seines Vaters aufgetreten. Außerdem ist er Konzertmeister des West-Eastern Divan Orchestras, das Daniel Barenboim 1999 gründete.

Ein Saal wie kein zweiter

Angesprochen auf das Eröffnungskonzert im neuen Pierre Boulez Saal geraten Vater und Sohn ins Schwärmen. Daniel Barenboim hebt die Form des Saals hervor: „Es gibt keinen zweiten Konzertsaal auf der Welt, der oval ist.“ Das sieht nicht nur spektakulär aus, sondern schlägt sich auch im Klang nieder: „Akustisch hat der Saal einen idealen Nachhall und eignet sich von der Größe her am besten für Kammermusik, Ensemble und Soloabende.“ Die Namensgebung des Saals geht auf die Barenboims zurück. Pierre Boulez war seit den 1960er Jahren ein Freund der Familie. Michael Barenboim kannte er schon als Baby. „Jedes Mal, wenn er in Berlin war, hat er sich mit mir getroffen. Das war immer sehr schön und lehrreich“, sagt Michael Barenboim. Vergangenes Jahr starb der französische Komponist mit 90 Jahren.

 

Pierre Boulez Saal Berlin

So sieht er aus: Der Pierre Boulez Saal in Berlin © Peter Rigaud

„Kulturell bin ich ein europäischer Patriot“

Pierre Boulez war ein großer Verfechter der europäischen Idee. Er sagte einmal, er fühle sich „französisch innerhalb einer größeren Nation“ und meinte damit Europa. Die Barenboims leben diesen Gedanken – in ihrer Musik und privat. Daniel Barenboim wuchs in Argentinien auf – „das europäischste Land Südamerikas“, meint er. „Kul­turell bin ich ein europäischer Patriot,“ sagt er, anspielend auf das reiche und vielseitige kulturelle Erbe Europas. Michael Barenboim wurde in Frankreich geboren, zog als Kind mit seinen Eltern nach Berlin. Beruflich sind beide auf der ganzen Welt unterwegs.

Zeichen der Verständigung

Sohn und Vater setzen sich auf ihre Weise dafür ein, kulturelle Bildung und das Verständnis zwischen den Völkern zu fördern. Zum Beispiel mit dem 1999 von Daniel Barenboim gegründeten West Eastern Divan Orchestra. Israelis und Palästinenser musizieren darin gemeinsam. „Das West ­Eastern Divan Orchestra ist ein Beispiel dafür, dass Paläs­tinenser und Israelis sehr gut zusammen­ arbeiten können, vorausgesetzt, es gibt die gleichen Rechte und die gleiche Verantwor­tung für alle“, sagt Daniel Barenboim. Im Sommer geben Michael und Daniel Barenboim gemeinsam ein Konzert für syrische Flüchtlinge in Jordanien.

Lydia Evers

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen Arte Magazin.

Eröffnungskonzert des Pierre Boulez Saals

Auf Arte Concert können Sie am Samstag, den 4.3. ab 18.00 Uhr live einschalten, wenn Daniel und Michael Barenboim den neuen Berliner Konzertsaal eröffnen. Im TV ist das Konzert in zwei Teilen zu sehen: Am Sonntag, den 5.3. um 18.00 Uhr und um 23.45 Uhr.

Kategorien: März 2017