Alain de Botton, Europa, Gustave Flaubert, Kant, reisen

ICH BIN DANN MAL WEG

Ach, dieser Moment, in dem der Zug losruckelt, das Flugzeug abhebt. Die Gedanken von Schriftstellern und Philosophen über das Reisen.

Einfach losfahren und frei sein © GettyImages

Noch ist es nur eine Idee, doch sie könnte bald Wirklichkeit werden: Jeder Europäer bekommt zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt. Die Berliner Aktivisten Vincent Emanuel-Herr und Martin Speer setzen sich für #FreeInterrail ein, und die EU hat angebissen. Derzeit prüft sie den Vorschlag. Ein Europa ohne Grenzkontrollen, in dem man (fast) überall mit dergleichen Währung bezahlen kann, ist für die junge Generation schon selbstverständlich. Die Gedanken von Alain de Botton, Gustave Flaubert und Immanuel Kant machen Lust darauf, direkt in den nächsten Zug zu steigen.

Die Kunst des Reisens

„Reisen sind die Hebammen des Denkens. Nur wenige Orte dienen dem Dialog mit sich selbst wie ein sich fortbewegendes Flugzeug, ein Schiff oder ein Zug.“

„Die Freuden, die wir aus dem Reisen ziehen, sind vermutlich weniger von unserem Ziel abhängig als von der Geisteshaltung, mit der wir reisen.“

Alain de Botton (*1969) ist ein britisch-schweizerischer Schriftsteller. Er hat das Buch „Die Kunst des Reisens“ geschrieben, dem diese Zitate entstammen.

An Mama

„Was mich angeht, so kehre ich als der zurück, als der ich aufgebrochen bin, lediglich ein paar Haare habe ich weniger auf dem Kopf und viele Landschaften mehr in meinem Innern.“

Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert (1821-1880) schrieb diese Zeilen 1850 aus dem damaligen Konstantinopel (heute Istanbul) an seine Mutter. Seine Reise in den Orient dauerte zwei Jahre. Er besuchte außer der heutigen Türkei noch Ägypten, Palästina, Syrien und den Libanon.

Daheim geblieben

„Das Reisen bildet sehr – es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie, der Erziehung. Es gibt den humanen duldsamen Sinn, den allgemeinen Charakter. Wer dagegen nichts sah, was ihn in der Sphäre, worin er lebt, umgibt, hält leicht alles für notwendig und einzig in der Welt, weil es in seiner Heimat dafür gilt.“

Immanuel Kant (1724-1804) ist Zeit seines Lebens kaum über die Grenzen seiner Heimatstadt Königsberg hinaus gekommen. Umso erstaunlicher, dass er es war, der den Begriff und die Idee des „Weltbürgers“ prägte – und solch profunde Weisheiten über das Reisen hervorbrachte.

Shila Meyer-Behjat

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Kategorien: März 2017