Licht und Europa nach Dunkelheit

Aus dem Rauschen im Palmenhain wurde jetzt sichere Kunde. Die Jury unter Vorsitz ihres Präsidenten Nanni Moretti hat getagt und aus den zweiundzwanzig Wettbewerbsbeiträgen nun ihre Favoriten erkoren. Auffallend ist, dass ihre Wahl sehr europäisch ausfiel, denn gleich sechs prämierte Filme kommen aus Europa.

Die höchste Auszeichnung des Festivals ist die Goldene Palme (Palme d’or). Sie ging in diesem Jahr an den Film Amour von Michael Haneke. Wieder einmal überstrahlt der österreichische Regisseur mit einem Film das gesamte Festival und zeigt die Menschen, die normalerweise im Kino nur selten Beachtung finden: Die Alten.

In seinem Film Amour spielt der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant einen alten Mann, der nach einem langen Eheleben seiner sterbenden Frau Anne (Emmanuelle Riva) zur Seite steht. Die schauspielerische Leistung der beiden ist beeindruckend und die unverschnörkelte Inszenierung dieses wichtigen gesellschaftlichen Themas wahrhaft Gold wert.

Den Großen Preis der Jury (Grand prix du jury) erhielt der Italiener Matteo Garrone für seine Parabel über die gegenwärtige Fernsehlandschaft Reality. Und nach Sicht der Jury ist der mexikanische Filmemacher Carlos Reygadas der beste Regisseur (Prix de la mise en scène) des Festivals gewesen. Sein komplexes Filmwerk Post Tenebras Lux hier aber in einigen Zeilen zusammenzufassen, würde aber sicher ins Leere laufen.

Die große Überraschung der Preisverleihung war Mads Mikkelsen. Der dänische Schauspieler ist zum Besten Hauptdarsteller gekürt worden. Mikkelsen spielt in Thomas Vinterbergs Film Jagten einen hingebungsvollen Erzieher, der in einer Kleinstadt zu Unrecht beschuldigt wird, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Auch wenn hier viele den großartigen Denis Lavant in Leos Carax Holy Motors gesehen hätten, dass die Wahl auf Mikkelsen fiel, ist sicherlich gerechtfertigt.

Bei den weiblichen Darstellerinnen erhielten dieses Jahr gleich zwei rumänische Frauen einen Preis (Meilleure interprétation féminine). Cosmina Stratan und Cristina Flutur bekamen diese Auszeichnung für ihre schauspielerischen Leistungen in Cristian Mungius Film Beyond the Hills. Und da dieses langsam erzählte Drama der Jury so gut gefiel, erhielt der Rumäne Cristian Mungiu gleich auch noch den Preis für das Beste Drehbuch.

Den Preis der Jury konnte sich der Brite Ken Loach für seine hervorragende Sozialkomödie The Angel’s Share sichern.

Die ARTE Cannes-Redaktion

 

Die Preisträger der 65. Filmfestspiele von Cannes

Kategorien: Die Preisträger 2012

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