“Mud” von Jeff Nichols

Am Ufer eines Flusses, irgendwo in Amerika. Ein Jugendlicher, dem die väterliche Nähe fehlt, findet einen Ersatzvater in Mud, einem geheimnisvollen Mann auf der Flucht, der sich auf einer kleinen Insel versteckt.

Der neue, mit Spannung erwartete Film von Jeff Nichols (Shotgun stories, Take Shelter) überrascht durch seinen reinen, klassischen Stil; er ist der Beweis dafür, dass manche “Stories made in USA” dem klassischen Muster treu bleiben, wenn es darum geht, eine bestimmte amerikanische Mentalität darzustellen. Die Geschichte von Mud ist tatsächlich die direkte kinematographische Nachfolgerin vom amerikanischen Roman und Mythos von Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

Man findet darin den gleichen Blick und das gleiche Verhalten der Kinder, wenn es darum geht, in der freien Natur zu leben, ganz auf sich alleine gestellt. Nichols zeigt uns die totale Freiheit der Kinder auf amerikanische Art, wo die weite Natur die jungen, von inneren Zweifeln gequälten Menschen mit offenen Armen aufnimmt.

Man findet darin auch die kindlichen Ängste gegenüber den Erwachsenen; Ängste die aber auch herbeigesehnt werden. In diesem Fall in Form der männlichen Person, die Faszination ausübt, aber auch Angst macht. Diese Person ist der geheimnisvolle Mud, den wir nur durch die Augen der Kinder zu sehen bekommen; ein Mann der sowohl verletzlich, wie auch stark ist, ein Tyrann und ein Lügner.

Die Stärke des Films liegt im Ausdruck des starken Wunsches der Jugendlichen, dass die Welt endlich einmal ihren Vorstellungen entspricht und die Erwachsenen endlich einmal das tun, was sie wollen. Nichols gelingt es, diesen flüchtigen Moment der Jugend kurz vor dem Erwachsensein zu erfassen.

Virginie Apiou

 

Mud, ein Film von Jeff Nichols. Mit Matthew McConaughey, Reese Whitherspoon, Tye Sheridan, Jacob Lofland (USA, 2012, 130 Minuten). Offizieller Wettbewerb.

Kategorien: Die Filme des Tages

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