Gewöhnlich - Adèle van Reeth ist zu Gast bei Raphaël Enthoven

Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: das Gewöhnliche.
Jouissance avec Adèle Van Reeth

Eigentlich ist es gar nicht weiter erwähnenswert: das Gewöhnliche, das unseren Alltag prägt. Es lenkt den Blick nicht auf sich. Morgens aufstehen, frühstücken, zur Arbeit gehen - das ist der evidente Teil unseres Lebens, der uns in der Regel nicht weiter beschäftigt. Raphaël Enthoven und sein Gast Adèle van Reeth setzen sich in der heutigen Sendung unter anderem aus der Perspektive des amerikanischen Philosophen Stanley Cavell mit dem Thema auseinander. Er gilt als der Vertreter dieses Sujets und ist weit mehr als ein gewöhnlicher Theoretiker.

Ausgangspunkt ist dabei die Frage: Was ist so besonders an dem Gewöhnlichen und warum befasst sich die Philosophie überhaupt mit dieser offenbar so durchschaubaren Materie? Beobachten lässt sich an einem Beispiel aus dem Alltag, dass der Mensch immer wieder versucht, aus dem Gewöhnlichen auszubrechen, wie durch den Besuch eines Freizeitparks - auf der Suche nach dem Spektakulären. Die Versuch, dem Gewöhnlichen entkommen zu wollen, ist also wiederum ganz gewöhnlich. Außerdem holt der philosophische Streifzug das Gewöhnliche anhand von Werken aus Kunst, Literatur und Philosophie ans Licht: Es kommen die Schriften von Blaise Pascale zur Sprache, George Cukors Film "Die Nacht vor der Hochzeit", Sartres Roman "Der Ekel" und Vincent van Goghs Stillleben "Ein paar Schuhe".
Wenn man sich ganz bewusst mit dem Gewöhnlichen auseinandersetzt und es denkt, erscheint es plötzlich als nichts Selbstverständliches mehr. Mit anderen Worten - es ist alles ganz anders, als wir glauben: Das, was im Allgemeinen als gewöhnlich bezeichnet wird, ist das, was zu unserem Alltag gehört, was uns vertraut ist. Aber erst wenn man sich wirklich für unsere Welt interessiert, merkt man, wie fremd sie doch ist.

Über den Gast Adèle van Reeth

Adèle van Reeth ist Absolventin der "École normale supérieure". Ihre wissenschaftlichen Arbeiten behandeln das Verhältnis zwischen Philosophie und Film. Seit August 2008 ist sie fachwissenschaftliche Mitarbeiterin der Sendung "Les nouveaux chemins de la connaissance" bei dem französischen Radiosender "France Culture". Dort gestaltet sie die Chronik "Le Journal des Nouveaux chemins" über aktuelle philosophische Strömungen. Seit September 2009 interviewt sie täglich den Verfasser eines geisteswissenschaftlichen Essays.

Literatur zur Sendung:

Blaise Pascal, Gedanken, Übersetzung  Karl Adolf Blech, Wilhelm Besser Verlag

 

Martin Heidegger, Holzwege, In : Gesamtausgabe, Klostermann

 

Ralph Waldo Emerson, Drei Ansprachen, über Bildung, Religion und Henry David Thoreau, Übersetzung Heiko Fischer, Derk Janssen Verlag

 

Alain Robbe-Grillet, Die Radiergummis, Übersetzung von  Gerda Von Uslar, Suhrkamp

 

Jean-Paul Sartre, Der Ekel, Übersetzung von Uli Aumüller, Rowohlt