Angst - Philippe Cabestan ist zu Gast bei Raphaël Enthoven

21. November 2010 um 13.30 Uhr
Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Angst.
L'angoisse avec Philippe Cabestan

Raphaël Enthoven spricht heute mit dem Heidegger- und Sartre-Kenner Philippe Cabestan über das Thema Angst. Heidegger definierte Angst in seiner Schrift "Sein und Zeit" als eine Grundbefindlichkeit des Menschen, die diesen dazu befähigt, das eigene Dasein als ein "Sein zum Tode" zu begreifen. Im Unterschied zur Furcht ist die Angst objektunbestimmt. Denn Furcht hat man vor etwas ganz Konkretem, sei es vor einer Wespe, einem wütenden Menschen oder einer Waffe, also vor einer objektiv vorhandenen Gefahr. Angst hingegen hat nach Heidegger kein bestimmtes Wovor; Angst hat kein bestimmtes Objekt in dieser Welt.

Bei der Definition der Begriffe, Angst, Furcht, Entsetzen kommen Raphaël Enthoven und sein Gast auf die Angst vor dem Nichts zu sprechen, wie Sartre sie in seinem Roman "Der Ekel" beschrieb oder auch die Angst, die unter die Haut geht, wie in Hitchcocks "Psycho". Über Edvard Munchs Bild "Der Schrei" führt das philosophische Gespräch hin zu Kierkegaards "Der Begriff der Angst". Aber warum empfinden wir überhaupt Angst? Um mit Sartre zu sprechen: weil in der Angst die eigene Freiheit zum Ausdruck kommt.

Philippe Cabestan unterrichtet Philosophie am Lycée Janson de Sailly, Paris. Sein Spezialgebiet ist Phänomenologie mit Schwerpunkt Sartre. Einige Publikationen: "Sartre. Désir et liberté" (PUF, 2005); "Introduction à la phénoménologie contemporaine", mit Eliane Escoubas, Adrian Pabst (Ellipses, 2006); "Dictionnaire Sartre" (Ellipses, 2009).

In der Sendung zitierte Literatur:

  • Sankt Augustin: Bekenntnisse
    Übersetzung Otto F. Lachmann
    Marixverlag
  • André Gide: Die Verliese des Vatikans
    Übersetzung Thomas Dobberkau
    Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Martin Heidegger: Sein und Zeit
    Niemeyer Verlag
  • Søren Kierkegaard: Der Begriff Angst
    Übersetzung Gisela Perlet
    Reclam Verlag
  • Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
    Übersetzung Eva Rechel-Mertens
    Suhrkamp Verlag
  • Jean-Paul Sartre: Der Ekel
    Übersetzung Uli Aumüller
    Rowohlt Verlag
  • Jean-Paul Sartre: Tagebücher
    Übersetzung Eva Moldenhauer et Vincent von Wroblewsky
    Rohwolt Verlag