das Wort

das Wort: "Boche", "Chleu", und "Fritz"

Karambolage 23 - 5. September 2004

 

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So sehr lieben die Franzosen die Deutschen, dass sie ihnen im Laufe der Geschichte verschiedene, äußerst nette Schimpfnamen gegeben haben. Sehen wir uns die etwas näher an. Die größte Beleidigung ist "boche". Aufgetaucht ist BOCHE in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um 1860, und kommt wohl von "ALBOCHE". Das etwas ältere "Alboche" besteht aus der Vorsilbe "AL", abgekürzt für "allemand", "deutsch", und dem Wort "boche". Und bevor das Wort "boche" den deutschen Erbfeind bezeichnete, diente im 19. Jahrhundert der Begriff "tête de boche" dazu, jemanden als "Dickkopf" oder "Holzkopf" zu beschimpfen, denn ursprünglich war eine "boche" eine dicke Holzkugel, wie zum Beispiel eine Kegelkugel. Ich fasse zusammen: la boche: die Holzkugel, le boche: der Holzkopf, l'Alboche: der holzköpfige Deutsche, was dann wieder zu "boche" abgekürzt wird. Da Angriff nun mal die beste Verteidigung ist, nutzte ein bekannter deutscher Hersteller von Elektrogeräten das Schimpfwort mit Erfolg für einen gewagten Werbeslogan: "C'est bien, c'est beau, c'est Bosch" - "Das ist gut, das ist schön, das ist Bosch".

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Eine andere nicht sehr nette Bezeichnung ist: CHLEU oder CHLEUH, manchmal auch SCHLEU. Woher kommt dieses Wort, das durch das anlautende "SCH" für französische Ohren sehr deutsch klingt?

 

 

 

 

 

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Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Marokko kämpfenden Franzosen nannten so die Soldaten der Territorialtruppen. Für sie waren das Wilde und Barbaren mit einer völlig unverständlichen Sprache. Nach Frankreich importiert bezeichnete der Begriff Elsässer und andere Grenzlandbewohner, die eine andere Sprache als Französisch sprachen: das waren "chleuhs, die schleu sprechen"; er wurde dann auf den deutschen Soldaten und im Zweiten Weltkrieg allgemein auf den deutschen Besatzer übertragen. Zum Schluss eine weniger böse, jedoch ebenso abschätzige Bezeichnung: der Fritz.

 

 

 

 

 

 

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Vor allem Ende des 19. Jahrhunderts war "Fritz" in Deutschland ein häufiger Vorname, als Kurzform von Friedrich, einem Vornamen, den die preußischen Hohenzollern besonders schätzten. Im Ersten Weltkrieg wurde Fritz auch abgewandelt in Fridolin, Frisé und wurde zu Frisou im Zweiten Weltkrieg. Jetzt würde ich Ihnen gern die deutschen Schimpfwörter für Franzosen vorstellen, aber da kann man lange suchen: es existiert nichts Entsprechendes. Es gibt zwar ein paar Nettigkeiten wie "Froschfresser", aber mit diesem Ausdruck werden die Franzosen nicht nur von den Deutschen bedacht: die ganze Welt nennt sie so.

 

 

 

Text: Elsa Clairon

Bild: Berangère Lallement

 

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