Der Nansen-Pass

Der Nansen-Pass

Donnerstag, 04. August um 6:40 Uhr (56 Min.)

Der Nansen-Pass

Donnerstag, 04. August um 6:40 Uhr (56 Min.)

Erstausstrahlung am Freitag, 24.06. um 10:35 Uhr

Dem norwegischen Diplomaten Fridtjof Nansen ist es zu verdanken, dass 1922, 30 Jahre vor der Genfer Konvention, der sogenannte Nansen-Pass eingeführt wurde. Dieser stellte bis 1945 einen Schutz für Tausende Staatenlose dar, die infolge der Umwälzungen des ersten Weltkrieges, des Völkermordes an den Armeniern und der Russischen Revolution ihre Staatsbürgerschaft verloren hatten.

Anfang des 20. Jahrhunderts mussten mehr als zwei Millionen Menschen aufgrund der Russischen Revolution und des Massakers an den Armeniern ihre Heimat verlassen. Damit sie auf keinen Fall zurückkehren, erkannten ihnen ihre Regierungen im großen Stil kollektiv die Staatsangehörigkeit ab. Die "Staatenlosen", wie diese entwurzelten und dauerhaft verbannten Personen fortan bezeichnet wurden, hatten nun keine andere Wahl, als anderswo neu anzufangen. Und so gingen sie in aller Herren Länder.

Angesichts dieser dramatischen Lage setzte sich der norwegische Diplomat Fridtjof Nansen, erster Hochkommissar für Flüchtlinge des Völkerbundes, energisch für die Schaffung eines Passes für diese Personen ein. Am 5. Juli 1922 war es soweit - der nach seinem Erfinder bezeichnete "Nansen-Pass" wurde eingeführt.

Ein Dokument mit Symbolkraft, das als erstes Rechtsinstrument des internationalen Schutzes in die Geschichte einging. Dieses Ausweis- und Reisedokument ermöglichte die Einreise in alle Mitgliedstaaten des Völkerbundes und das zu einem Zeitpunkt, als in Europa viele Staaten aufgrund von Faschismus, Antisemitismus und Krieg ihre Grenzen schlossen und immer genauer darauf schauten, welchen Status Einwohner und Ausländer hatten. Anna Pavlova, Vladimir Nabokov, Marc Chagall, Igor Stravinsky, Robert Capa, Aristoteles Onassis sowie mehr als eine Million weiterer Staatenloser, überwiegend Flüchtlinge aus Russland und dem Osmanischen Reich, erhielten solch einen wertvollen Pass. Seit 1945 wurde die kollektive Aberkennung der Staatsangehörigkeit von den Staaten nicht mehr als Waffe eingesetzt, aber erst 2012 von der UN-Generalversammlung auch offiziell verboten.

Wie war es damals, als der Nansen-Pass eingeführt wurde? ARTE zeigt den Kampf eines visionären Humanisten, der Tausenden Menschen die Möglichkeit geben wollte, sich ein würdevolles Leben im Exil aufzubauen.

Der Film basiert auf Archivmaterial, Gesprächen mit den Historikern Catherine Gousseff (Direktorin des deutsch-französischen Forschungszentrums für Sozialwissenschaften des Marc Bloch Zentrums in Berlin) und Dzovinar Kévonian (Dozent für Geschichte an der Universität Paris-Nanterre) sowie Aussagen von Nansen-Flüchtlingen.

Regie:  Valentine Varela, Philippe Saada